Wie man minderwertige Inhalte entlarvt

Björn Tantau
Von Björn Tantau Januar 16, 2014

Wie man minderwertige Inhalte entlarvt

Das Internet ist riesig und wächst immer weiter, heute gibt es weltweit mehr als 1,5 Milliarden Websites. 1,5 Milliarden Möglichkeiten also, Content zu veröffentlichen und in der digitalen Welt zu platzieren. Darunter sind zahlreiche qualitativ hochwertige, spannende, interessante und aufregende Inhalte – bedauerlicherweise aber auch sehr viele, auf die man gut verzichten kann. Wer in dieser Masse von Content auf sich oder sein Unternehmen aufmerksam machen will, muss sich anstrengen, denn nur so kann es gelingen, wirklich einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Einige tun genau das, doch die Zahl derer, die „einfach so“ Inhalte veröffentlichen, ist nach wie vor hoch. Wie aber erkennt man minderwertige Inhalte, was macht „schlechten“ Content aus? Wir haben uns auf die Suche nach solchen Inhalten gemacht und einige besonders deutliche Merkmale gefunden.

Schlechte User Experience

Fangen wir ganz vorn an: Für hochwertige Inhalte gilt, dass sie möglichst einfach vom Konsumenten erfasst werden müssen. Genau dafür ist eine sinnvolle Struktur notwendig. Gleiches gilt für die Verwendung von ergänzenden Informationen wie zum Beispiel Bildern.

Struktur bedeutet auch, dass ein Text entsprechend formatiert sein muss. Überschrift, Zwischenüberschriften und Absätze sind Pflicht, andernfalls kann es schnell passieren, dass selbst die interessiertesten Leser nach einiger Zeit aufgeben.

Informationen gehen so schnell verloren oder bleiben nur sehr schwer hängen, so dass selbst gute Inhalte nicht sinnvoll verbreitet werden können. Wird ein Artikel im Internet nicht richtig aufgenommen, dann wird er auch auf sozialen Netzwerken nicht geteilt. Darunter leidet dann die Reichweite.

Neuauflage schon bekannter Inhalte

Selbstverständlich gibt es Themen, die dauerhaft populär sind. Ein Beispiel für einen solchen „Evergreen“ im Bereich der Suchmaschinenoptimierung ist der PageRank. Wird von Google ein Update des kleinen grünen Balkens in seiner Suchmaschine eingespielt, werden regelmäßig zahlreiche neue Artikel zu dem Thema verfasst.

Wenn allerdings zu einem Thema schon alles gesagt wurde, dann wird es langweilig und es ist dann nicht sinnvoll, sich wieder und wieder an einem immer neuen Aufguss zu versuchen. Das gilt nicht, wenn es neue Erkenntnisse gibt, die mitgeteilt werden sollten und einen echten Mehrwert bedeuten.

Minderwertigen Content erkennt man also auch daran, dass allseits bekannte Themen erneut aufgegriffen und in Ermangelung an echten Neuigkeiten zum Thema reproduziert werden. Das langweilt potenzielle Leserinnen und Leser natürlich.

Keine speziellen Informationen

Ähnlich wie bei langweiligen Aufgüssen verhält es sich, wenn keine wirklich speziellen Informationen vermittelt werden. Dieser Fehler tritt vor allem bei Inhalten auf, die sehr allgemein gehalten sind und nicht in die Tiefe gehen. Wer über aktuelle Entwicklungen schreibt, muss sich auch die Mühe machen, Zusammenhänge zu recherchieren und erweitert darzustellen.

Schon weiterführende Links können da bereits ein Schritt in die richtige Richtung sein. Potenzielle Leserinnen und Leser einer Website wollen informiert werden und freuen sich, wenn es zusätzlich zu der eigentlichen Information Hinweise auf Inhalte gibt, die den eigenen Horizont erweitern. Das muss nicht zwingend eine bahnbrechende Information sein.

Es reicht aus, wenn der Inhalt zum Nachdenken anregt und man sich somit länger damit beschäftigt. Vor allem viele tagesaktuelle Nachrichten sorgen aber genau dafür nicht. Abgeschriebene oder vielleicht sogar kopierte Inhalte stellen keinen Mehrwert dar, solange sie nicht sinnvoll angereichert werden. Eine Content-Strategie, die darauf basiert, wird nicht funktionieren.

Ständiges Wiederholen von Werbebotschaften

Ein werbefreies Internet ist für viele undenkbar. Oft wird es gewünscht, realisierbar ist es aber nicht, denn sonst gäbe es viele Publikationen (auch sehr gute) überhaupt nicht. Und grundsätzlich ist an Werbung auch nichts auszusetzen. Problematisch wird es dann, wenn die Werbung offensichtlich in den Inhalten auf einer Website eingebaut ist.

Das passiert häufig und oft stellt sich nicht der gewünschte Erfolg ein, weil viele User keine Werbung konsumieren wollen. Ein Artikel mit werblichem Charakter ist aber oft schon allein an der Ausdrucksweise zu erkennen. Zwar haben sich viele Menschen in den vergangenen Jahrzehnten an das „Werbesprech“ aus der Reklame im TV und im Radio gewöhnt. Erkannt wird es aber dennoch und oft schreckt solche offensichtliche Werbung dermaßen ab, dass eine Website komplett boykottiert wird.

Klassische Werbebotschaften funktionieren nicht, das simple Anpreisen eigener Produkte und Dienstleistungen ist inhaltlich überholt und nicht mehr zeitgemäß. Vorgehensweisen wie das „Native Advertising“ bieten neue und sinnvolle Impulse für diesen Bereich, platte Werbung jedoch spricht für schlechten Content.

Unverständliches Präsentieren von Inhalten

Besonders in spezialisierten Branchen gehört es teilweise zum guten Ton, besonders viele exotische Worte zu benutzen oder sich in einer Mischung aus Deutsch und Englisch, dem so genannten „Denglisch“, auszudrücken. Das mag auf den ersten Blick sogar professionell wirken.

Für einen Inhalt, der in der Regel auch Menschen erreicht, die nicht jeden Fachbegriff kennen oder im Zweifel auch nicht der englischen Sprache mächtig sind, ist das kein Vorteil. Die übermäßige Verwendung von solchen „Buzzwords“ kann in einem Artikel abschrecken. Potenzielle Leserinnen und Leser, die solche Inhalte schlicht und ergreifend nicht verstehen, wenden sich dann enttäuscht ab.

Nicht nur aus diesem Grund ist es besser, einen Artikel verständlich zu formulieren. Gleiches gilt für andere Arten von Content, wie zum Beispiel einer Infografik. Was nicht erfasst und verstanden werden kann, bleibt nicht hängen. Bei schlechten Inhalten bleiben also Fragen offen.

Verfehlen der Zielgruppe

Jedes Produkt und jede Dienstleistung hat eine Zielgruppe. Bei der Vielzahl von Inhalten im Internet ist es schon heute immens wichtig, ganz genau zu wissen, wo sich die eigene Zielgruppe aufhält und wie man sie ansprechen kann. Wer für seine Inhalte den falschen Kanal wählt, läuft Gefahr, dass dieser Content nicht ausreichend bemerkt wird.

Das muss nicht heißen, dass dieser Inhalt grundsätzlich schlecht ist. Der für ihn gewählte Weg der Verbreitung nimmt ihm allerdings die Chance, als guter Inhalt identifiziert zu werden. Die daraus resultierende mangelnde Verbreitung lässt den Inhalt dann oberflächlich als Misserfolg erscheinen – auch wenn das eigentlich gar nicht so ist.

Der beste Weg, das zu vermeiden, ist eine möglichst genaue Kenntnis der Zielgruppe. Klingt zunächst simpel, ist aber bei vielen sich im Internet engagierenden Firmen und Unternehmen nicht unbedingt bekannt. Oft herrschen noch klassische Ansichten vor, nach denen zum Beispiel Pressemitteilungen mit der Gießkanne verteilt werden. Pressemitteilungen sind ein sehr gutes Instrument, wenn sie strategisch und zielgerichtet eingesetzt werden und genau die Journalisten erreichen, die als Multiplikatoren für die eigene Zielgruppe sinnvoll sind.

Schlechter Schreibstil

Zum Schluss ist natürlich auch der Schreibstil sehr wichtig. Viele Inhalte im Internet sind schlicht und ergreifend ungünstig geschrieben und in zahlreichen Fällen lässt sich schon nach wenigen Sätzen erkennen, ob jemand am Werk war, der sich mit dem Schreiben auskennt oder ob ein nicht so talentierter Schreiber verantwortlich ist.

Selbst wenn ein Artikel inhaltlich hochwertig ist, kann ein schlechter Schreibstil dafür sorgen, dass der Inhalt nicht aufgenommen wird. Das leuchtet ein, denn wer arbeitet sich schon gern durch einen Text, der wegen seines Stils nur schlecht lesbar ist?

Hier verhält es sich grundsätzlich genau so, wie es bei der schon genannten Struktur der Fall ist: Gibt es schwere Fehler, dann lassen potenzielle Leserinnen und Leser schnell von einem Artikel ab. Schlechten Content erkennt man sehr schnell daran, wie ein Text verfasst wurde. Und dazu gehören auch Fehler bei Rechtschreibung und Grammatik.

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Björn Tantau
Von Björn Tantau Januar 16, 2014