Der digitale Presserückblick

Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin Oktober 30, 2015

Der digitale Presserückblick

Facebook macht Schluss mit einem Unbekannten, muss sich von einem Schurken beschimpfen lassen und macht seine Angestellten zu Teilzeit-Indern. Yahoo bekennt sich schuldig, und Wortspiele sind uns wurst – willkommen zur Presseschau!

Immer wieder Facebook – jetzt auch im Schnelldurchlauf

Und wöchentlich grüßt der Zuckerberg: Sein soziales Netzwerk ist wie gewohnt ausgiebig in den Schlagzeilen vertreten, beginnen wollen wir unsere Facebook-Revue mit dem Aus für den Postfach-Ordner „Sonstiges“. In dem landeten Nachrichten von Nicht-Freunden und fristeten dort oftmals ein trauriges, da ungelesenes Dasein. Denn, wie „Spiegel Online“ schreibt: „Manche Nutzer wissen vermutlich bis heute gar nicht, dass so ein Ordner überhaupt existiert.“ So viel für heute aus der Rubrik „Sonstiges“.

Über die neue Facebook-Suche haben wir bereits in der Presseschau für die Kalenderwoche 43 berichtet, allfacebook.de hat sich nun grammatikalisch nicht ganz korrekt mit den „Auswirkungen der neuen Facebook-Suche für Unternehmen“ beschäftigt. Und gibt Firmen Tipps, worauf sie bei ihren Postings achten sollten, damit diese über die Suche auch gefunden werden. Demnach muss der Suchbegriff im Post auftauchen – „das muss kein Hashtag sein, sondern die Erwähnung im Text genügt“. Außerdem sei die Verbindung zum Nutzer entscheidend für das Ranking, „bei euren Fans oder deren Freunden erscheint ihr offensichtlich weiter oben“. Last but not least entscheide die Beliebtheit des Inhalts darüber, ob ein Beitrag von den Usern gefunden werde – „beliebt sind Inhalte mit vielen Interaktionen“, so allfacebook.de. Der Blog dämpft aber etwaige zu hohe Erwartungen an die neue Suche. Bislang seien „die 1,5 Milliarden Suchanfragen zum größten Teil Suchen nach Personen, Gruppen oder Events, aber nicht nach Inhalten“. Firmen sollten daher „das Thema im Hinterkopf behalten, aber es nicht zu hoch priorisieren“. Und vor allem jetzt nicht in Keyword Stuffing verfallen. Es sei „deutlich wichtiger, guten Inhalt zu veröffentlichen, als dass ihr jetzt 5 Keywords im Post habt“. Dann streichen wir halt vier aus unseren Postings wieder raus…

Das war noch nicht alles zum Thema Facebook, mehr gibt’s im Schnelldurchlauf: Über „#NippelstattHetze: Nacktbild-Protestaktion gegen Hasskommentare bei Facebook“ (oh, là, là) berichtet meedia.de, Bond-Bösewicht Christoph Waltz bezeichnet Facebook im „Telegraph“-Interview als „Schritt in Richtung Faschismus“ (buh), die Facebook-Mitarbeiter dürfen sich jeden Dienstag eine Stunde lang dank superlangsamen Internet wie Inder fühlen (hare hare), und Sharon und Kevin aus „Big Brother“ fühlen sich bei Facebook beleidigt (Doppel-buh). So, genug Facebook für heute.

Wer da ohne Schuld ist…

Yahoo-Deutschland Chef Steffen Hopf – offenbar gibt es Yahoo in Deutschland noch, wir lernen nie aus – geht im Werbe-Branchenmagazin „Horizont“ mit „seiner Branche hart ins Gericht“. An der Verbreitung der Adblocker, so Hopf, sei „jeder von uns selbst mit daran schuld“. „Jeder Werbungtreibende, jede Agentur und jeder Publisher, der sich heute über Adblocker aufregt, sollte sich erst mal ganz ehrlich fragen, inwieweit er das Dilemma durch schlecht gemachte und aufdringliche Werbeformate mit zu verantworten hat“, wird Hopf zitiert. Die Anti-Adblocker-Aktion von bild.de bezeichnet er als „Bärendienst“ für die Branche, sie habe „die Aufmerksamkeit für Adblocker auf breiter Basis erst richtig angefeuert, und sie zeigt, dass wir gerade den Aufstieg eines neuen Gatekeepers erleben: und zwar den der Adblocker“. Künftig „könnten es die Adblocker-Firmen sein, die entscheiden, welche Inhalte gezeigt werden und welche nicht“. Eine Alternative für Verlage sei es, künftig stärker mit Internetkonzernen wie Facebook zu kooperieren – doch halt, kein Facebook heute mehr.

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei

Wenden wir uns lieber den wichtigen Dingen im Leben zu. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation hat verarbeitetes Fleisch als „krebserregend“ und nicht verarbeitetes, rotes Fleisch als „wahrscheinlich krebserregend“ verunglimpft. Das schlägt uns auf den Magen und hohe Wellen. „Horizont“ wirft die Frage auf, „ob es beim Thema Werberegulierung möglicherweise bald auch um die Wurst“ gehen wird, und die „Berliner Zeitung“ bringt die unvermeidliche So-reagiert-das-Netz-Geschichte. Der „Hohn und Spott“ bei Twitter ist gewohnt mäßig originell, wie auch die Myriaden an „Es geht um die Wurst“-Wortspiele – bis auf eine Ausnahme: Die Zeile „Das Wurst-Case-Szenario“ von freiepresse.de. Das nennen wir mal ein wirklich gutes Wurst… äh Wortspiel!

Den Chefs auf der Tasche liegen

Im Onlineportal „t3n“ sind wir auf ein Büromöbel gestoßen, das wir auch haben möchten: die Altwork Station eines kalifornischen Start-ups. „Statt bei der Arbeit am Computer ,nur‘ sitzen oder stehen zu können, bietet der Schreibtisch mit angeschlossenem Bürostuhl die Möglichkeit, auch im Liegen zu arbeiten“, macht uns „tn3“ den Mund wässrig, wobei der „Bürostuhl“ eher wie eine Mischung aus „Zahnarztsessel“ und Liege anmutet – und verdammt bequem aussieht. Da könnte man zwischen durch bestimmt mal kurz die Augen zu machen und etwas träumen – doch oh weh, unser neues Lieblings-Büromöbel kostet zwischen „3.900 und 4.900 Dollar“. Wie sollen wir die unseren Chefs aus den Rippen leiern? Vielleicht klappt’s, wenn wir sie mit einem Präsent becircen. Mit einer Bifi oder etwas Pökelfleisch zum Beispiel…

Foto: Thinkstock, 128013166, Wavebreak Media, Wavebreakmedia Ltd

Lesen Sie auch diese interessanten Artikel
Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin Oktober 30, 2015