Der digitale Presserückblick

Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin Juli 31, 2015

Der digitale Presserückblick

Eine falsche Frauke Petry, geklaute Witze bei Twitter, gepflegte Kommentare bei Facebook und ein Emoji für Til Schweiger – das und mehr in der Presseschau für die Kalenderwoche 31.

Instagram geht ab

Die Alten sind bei Facebook, die Jungen bei Instagram: Laut einer aktuellen Studie ist die Fotoplattform „die am häufigsten regelmäßig genutzte Social Community unter Jugendlichen“, schreibt haufe.de. Das zahlt sich in barer Münze aus. Wie „Horizont“ berichtet, prognostizieren die Markforscher eMarketer, dass Instagram 2017 mit mobiler Werbung allein in den USA knapp 2,4 Milliarden Dollar (etwa 2,2 Milliarden Euro) umsetzen wird – mehr als Google und Twitter.

Twitter läuft so lala und wir können keine Witze erzählen

Finanziell lief es zuletzt nicht so rund bei Twitter, aber vielleicht hat der Kurznachrichtendienst ja den Turnaround geschafft? Das Unternehmen hat vor ein paar Tagen die Quartalszahlen für die Monate April bis Juni vorgelegt – und die sprechen eine klare Sprache. Oder auch nicht. „Quartalszahlen: Twitter übertrifft Erwartungen der Wall Street“, weiß „Spiegel Online“. „Zeit Online“ kontert: „Twitter enttäuscht Erwartungen der Anleger“. Interessant.

Nicht weniger interessant finden wir, dass bei Twitter offenbar der Gag-Diebstahl grassiert – und der Kurznachrichtendienst endlich reagiert: „Twitter löscht nun Witze, die Nutzer bei anderen geklaut haben“, berichtet dazu beispielsweise „Spiegel Online“ – und fragt: „Ist bei einer Kurzbotschaft bereits die sogenannte Schöpfungshöhe erreicht, ab der das Urheberrecht greift?“ Wir fragen uns, wie man einen guten Witz in 140 Zeichen quetscht und machen die Probe aufs Exempel – mit unserem Lieblingswitz. Wie geht der noch mal? „Drei soziale Netzwerke fliegen im Flugzeug. Sagt das eine…“ Nein, der war anders. „Twitter, Facebook und Instagram gehen zum Arzt. Twitter sagt….“ Ne, so auch nicht. Wie schauen besser kurz bei Twitter nach, wie der wirklich geht…

Klarnamen und die Reinerhaltung der Diskussionskultur

Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar, bundesweit für Facebook zuständig, hat sich abermals mit dem Netzwerk angelegt. „Mit einer Verwaltungsanordnung will er Facebook zwingen, in Deutschland auf die Klarnamenpflicht zu verzichten“, schreibt „Süddeutsche“. Facebook halte dementgegen, „dass authentische Namen zur Diskussionskultur beitragen“ und Anonymität „Hassreden, Mobbing und extrem aggressive Kommentare“ fördern würde. Zur Diskussionskultur auf Facebook fallen uns spontan diese Berichte ein: „Til Schweiger auf Facebook: „Zeig mal deine dumme Fresse“ und „Ausländerhetze bei Facebook! Reservist nach Mordaufruf gegen Flüchtlinge gefeuert“ und „Porsche entlässt Lehrling nach Hassposting auf Facebook“. Ein Hoch auf die Klarnamenpflicht!

Satire darf alles – auch nicht verstanden werden

Die Satire-Partei „Die Partei“ spielt AfD. Der ehemalige „Titanic“-Chefredakteur Leo Fischer verkleidet sich als Frauke Petry, bezeichnet den Parteivorsitzenden Martin Sonnenborn als „verrückt“ und wirbt für die Gruppierung „Chance 5000“ – und die Onlineausgabe der „Frankfurter Rundschau“ berichtet darüber, als handele es sich um einen ernsthaften Richtungsstreit in einer ernsthaften Partei. Wir fragen uns: Ist das Satire auf der Metaebene – oder nimmt die „FR“ das wirklich für bare Münze? Man weiß es nicht, was wir aber wissen: Das Video mit Fischer als Frauke Petry ist lustig.

Ein Finger sagt mehr als tausend Worte

Last but not least: Schluss ist mit immer nur Herzen, Kussmündern und Smileys bei WhatsApp. Bald lässt sich auch bildhaft beleidigen, der Stinkefinger-Emoji für den Messenger kommt, wie unter anderem stern.de meldet. Til Schweiger wird’s freuen.

Foto: Thinkstock, 128013166, Wavebreak Media, Wavebreakmedia Ltd

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Von Matthias Lotzin Juli 31, 2015