Der digitale Presserückblick

Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin Dezember 18, 2015

Der digitale Presserückblick

Zwei unendliche Facebook-Geschichten, ein Todesurteil für Twitter und ein Porno-Abmahner in der Armutsfalle – es ist wieder fix was los in der Presseschau!

Fortsetzung folgt, Fastfood für unterwegs

Die unendliche Geschichte, Teil 27: Facebook und Hate Speech – jetzt wird gelöscht! Wie beispielsweise „Meedia“ berichtet, will Facebook „Hass-Kommentare innerhalb von 24 Stunden entfernen“. Darauf habe sich Bundesjustizminister Heiko Maas bei einem Treffen mit Vertretern von Facebook und anderen sozialen Netzwerken geeinigt. „Dies könne allerdings nicht immer eingehalten werden, da bei Ereignissen wie der jüngsten Terrorserie in Paris innerhalb kurzer Zeit extrem viele Hassbotschaften gepostet würden“, hat jedoch Richard Allen von Facebook Europe laut „Meedia“ sogleich relativiert. Wir lehnen uns zurück und warten auf die Hassbotschaften-Lösch-Ankündigung Nummer 28.

Eine weitere neverending Facebook-Story lautet: Das Netzwerk vergreist, die Jungen finden Facebook uncool und vertreiben sich lieber mit WhatsApp, Instagram, Snapchat etc. die Zeit. Das stimmt so nicht, konstatiert „t3n“. Das Digitalportal beruft sich auf eine Studie der Marktforscher Forrester, für die US-Teenager befragt wurden. Die Studie zeige, „dass tatsächlich nur 65 Prozent der Befragten das soziale Netzwerk für ,cool‘ halten. Zum Vergleich: 80 Prozent der Studienteilnehmer behaupten das von YouTube, 79 Prozent von Snapchat und 78 Prozent von Instagram“. Was die Nutzung angehe, sehe es für den „blauen Riesen“ aber deutlich sonniger aus als oft kolportiert. „79 Prozent der Befragten gaben nämlich an, dass sie Facebook regelmäßig aufrufen würden“, schreibt „t3n“. Und: „Nochmal zum Vergleich: 55 Prozent der Studienteilnehmer behaupten das von Instagram und 45 Prozent von Snapchat. Lediglich bei YouTube haben sich mehr Intensivnutzer mit über 80 Prozent gefunden.“ Die Umfrage zeige: „Facebook hat demnach also kein wirkliches Problem bei der faktischen Nutzung. Es geht vielmehr um einen sinkenden Imagewert.“ Das Fazit des Newsportals: „Wenn Snapchat, Instagram und Co. also so etwas wie die kleinen hippen Burgerbuden der Stadt sind, dann ist Facebook wohl so etwas wie der hässliche McDonald‘s am Hauptbahnhof, wo man sich beim Umsteigen nochmal eben fix einen Cheeseburger auf die Kralle geben lässt.“ Wir fragen uns: Und was ist dann Twitter? Burger King oder gar Kentucky Fried Chicken?

The Winner takes it all

Apropos Twitter: „Spiegel Online“-Kolumnist Sascha Lobo prophezeit dem Kurznachrichtendienst den Untergang. „Twitter: Weltherrschaft oder Tod“ hat er seine aktuelle Kolumne betitelt – und äußert darin Kapitalismuskritik. Twitter würde „ohne jeden Zweifel eindrucksvolle Zahlen“ vorlegen, das sei „für alle Leute auf der Welt“ erkennbar. „Außer für Investoren“, so Lobo. Für die gelte: „Wenn ein anderer Milliarden scheffelt, lassen die Anleger den zweiten Gewinner fallen.“ Der eine andere ist natürlich Facebook. Twitter wollte deshalb „noch facebookiger werden“, jüngstes Indiz: Das Experiment „mit der Abschaffung der chronologischen Ordnung der Beiträge“. Algorithmus statt Chronologie – Facebook ist damit laut Lobo zum „300-Milliarden-Dollar-Koloss“ geworden. Doch für Twitter sei ein solcher Schritt damit vergleichbar, dass Google die „Suchmaschine aufzugeben“ plane. Die Situation für Twitter stelle sich folgendermaßer dar: „Investorenpistole auf die Brust, und dann Weltherrschaft oder Tod.“ Keine rosigen Aussichten für Twitter, ist die Weltherrschaft doch bereits an Facebook vergeben.

Unrecht Gut gedeihet nicht

„Die Opfer kriegen Geld“, schreibt unter anderem die Onlineausgabe der „Süddeutschen Zeitung“. Es geht um den „Abmahn-Anwalt“ Thomas Urmann, der 2013 kurz vor Weihnachten Tausende deutsche Nutzer des Porno-Streaming-Portals „Redtube“ abgemahnt hatte – weil sie sich angeblich einen bestimmten Clip angeschaut hatten. Die Angelegenheit war von Anfang an höchst dubios und gestaltete sich, je mehr Details ans Tageslicht kamen, immer dubioser. Dem Landgericht Köln, dass die Abmahnungen absegnete, wurde suggeriert, die User hätten das Video heruntergeladen – und nicht, wenn überhaupt, gestreamt. Wer die Rechte an dem entsprechenden Video hat, blieb unklar. Die Abmahnungen haben Urmann schließlich seine Zulassung als Anwalt gekostet – und „jetzt hat das Amtsgericht Regensburg ihn in einem Zivilprozess auch noch dazu verurteilt, den Abgemahnten Schadenersatz zu bezahlen“, so die „Süddeutsche“. Wir finden, das ist doch mal eine schöne News für die Vorweihnachtszeit – und wünschen Herrn Urmann trotz allem ein besinnliches Fest. Einen Spartipp haben wir auch parat: Es muss nicht immer Gans zu Heiligabend sein. Ein Cheesburger vom hässlichen McDonald‘s am Hauptbahnhof tut’s auch.

Foto: Thinkstock, 128013166, Wavebreak Media, Wavebreakmedia Ltd

Lesen Sie auch diese interessanten Artikel
Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin Dezember 18, 2015