Der digitale Presserückblick

Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin Januar 25, 2016

Der digitale Presserückblick

Liebe ist die stärkste Kraft, Facebook ein Brandbeschleuniger, Twitter vielleicht noch nicht ganz am Ende und Biebs‘ Sexappeal eine Liga für sich – das und mehr in der Presseschau!

Love is in the Air

„Was hilft gegen Propaganda und Hass in sozialen Netzwerken?“, fragt die deutsche Onlineausgabe von „Wired“ – und lässt sogleich eine Antwort folgen, allerdings keine eigene: „Nicht Überwachung, Löschung und Protest, sagt Facebook-Managerin Sheryl Sandberg – sondern Liebe. Natürlich in Form von ,Gefällt mir‘-Klicks.“ Das „beste Gegengift gegen Hatespeech ist Goodspeech“, soll die Geschäftsführerin des sozialen Netzwerks beim Weltwirtschaftsforum in Davos referiert haben. Als Beleg dafür habe sie „,Like-Attacks‘ wie die gegen die Facebook-Seite der NPD vor gut einem Jahr aufgeführt“, so „Wired“. Und weiter: „Damals klickten Tausende User bei der rechtsradikalen Partei auf ,Gefällt mir‘ statt sie zu melden. Und sie fluteten die Seite mit Kommentaren, keine aggressiven Protest-Posts allerdings, sondern Bekundungen von Liebe und Toleranz gegenüber allen Menschen.“ Das sei ein Ansatz, der sich laut Sheryl Sandberg „auch auf den IS anwenden lässt“. Und jetzt alle zum Gruppenkuscheln.

Der Algorithmus, bei dem man mit muss

Ulf Buermeyer, Richter am Landgericht Berlin, sieht die Angelegenheit etwa anders. In einem Gastbeitrag für die Webseite „Deutschlandradio Kultur“ bezeichnet er „Facebook als Brandbeschleuniger für rechte Hetze“. Der Grund: Facebook-Nutzer würden nach dem „Wohlfühl-Prinzip“ verfahren, die User einen „annähernd ,gleichgeschalteten‘ Strom von Nachrichten präsentiert bekommen“. Im Falle von „Menschen mit rechten Tendenzen führt dieser Filterblasen-Effekt dazu, dass sie auf Facebook virtuelle national befreite Zonen erleben: Die meisten Inhalte, die sie zu lesen bekommen, sind rechtslastig. Gruselgeschichten über die angebliche Überfremdung Deutschlands oder Straftaten von Asylbewerbern machen die Runde. Gegenstimmen, etwa zu den positiven Effekten der Zuwanderung oder der statistisch eben nicht höheren Kriminalitätsrate unter Geflüchteten, räumen Facebooks Algorithmen dagegen kaum Platz ein“. Der Jurist hofft, dass „die politisch Verantwortlichen in Zukunft konsequenter darauf pochen werden, dass zumindest das Strafrecht, das den ethischen Minimalstandard unserer Gesellschaft definiert, auch in der Facebook-Filterblase gelten wird“.

Punkt, Komma, Strich

Was sagt Bill zu der Diskussion um Hasskommentare bei Facebook? Wer jetzt mit der Gegenfrage kommt, welcher Bill denn bitte gemeint sei, hat den laut „Spiegel Online“ jüngsten „Facebook-Hype“ verschlafen. „Ein Strichmännchen namens Bill sorgt gerade für Furore auf Facebook“, berichtet das Newsportal. Demnach liefert das von einem moldawischen Zeichner erdachte Männchen „nichts weiter als Verhaltenstipps, vor allem fürs Online-Leben. Die sind allerdings oft ziemlich komisch und fast immer gegen die allgemeine Erwartungshaltung gerichtet. Die einfachen Zeichnungen sind stets mit der gleichen Formel kombiniert: ,Bill ist schlau. Sei wie Bill.‘“ Mittlerweile, so „Spiegel Online“, habe sich „der freundliche Ratgeber zu einem regelrechten Netz-Meme entwickelt“. Zum Thema Hass auf Facebook hat der freundliche, englischsprachige Ratgeber auch einen Rat parat, wie wir seiner Facebook-Seite entnehmen. Frei übersetzt lautet der: „Bill schert sich nicht um Nationalität, Hautfarbe, Religion oder Überzeugungen. Bill hasst einfach jeden.“ Da hilft wohl nur eine massive Liebes-Attacke…

Ein dreifaches Hoch!

Welches Thema ist neben den Facebook-Hasskommentaren ein Dauerbrenner in unserer Presseschau? Richtig, es ist der Abgesang auf Twitter. Diesmal kommt er von der „Telebörse“, doch halt, was ist das? Das Wirtschaftsportal vermeldet eine „Kursexplosion“ – allerdings nach „Übernahmegerücht“. Die Auflösung: „Ausgelöst worden war der Höhenflug durch falsche Übernahmegerüchte, die die ,New York Post‘ in die Welt gesetzt hatte. Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp habe Interesse an einer ,Zusammenarbeit‘ mit Twitter, hieß es. Wenig später entpuppte sich die Nachricht als Ente. Die Zeitung, die zum News Corp-Imperium zählt, dementierte selbst den Bericht.“ Dennoch, so „Telebörse“, „scheint die neue Lust auf Twitter-Aktien noch nicht erschöpft zu sein“. Bei „Meedia“ liest sich das etwas anders: „Die kurzfristigen Gewinne lösten sich fast wieder in Luft auf“, schreibt das Medienportal, das erst vergangene Woche ein fulminantes Twitter-Bashing hingelegt hatte. Aber immerhin könne Twitter-Chef Jack Dorsey Anfang Februar bei Vorlage der nächsten Quartalsbilanz einen weiteren Anlauf nehmen, „die Stimmung zu drehen“. Das klingt nach einem Fünkchen Hoffnung, doch „Meedia“ erstickt die schwache Glut bereits im darauffolgenden Satz: „Die ersten beiden Male endeten bekanntermaßen im Debakel.“ Autsch. Fehlt eigentlich nur der Zusatz: Aller guten Dinge sind drei.

Lila-Laune-Biebs

„Die Foto-App Instagram hat in Deutschland inzwischen neun Millionen Nutzer“, entnehmen wir der Onlineausgabe von „Werben & Verkaufen“. Das habe Instagram-Managerin Marne Levine im Rahmen der Internetkonferenz DLD stolz verkündet. Aufmerksame Leser der Presseschau wissen aber, dass uns vor allem die hotten neuen Trends bei Instagram interessieren – und nicht langweilige Zahlen. Den einen großen Trend scheint’s gerade nicht zu geben, aber auf prosieben.de haben wir immerhin diese heiße News gefunden: „Justin Bieber halb nackt ist nichts Neues. Doch dass der Kanadier auf Instagram seinen brandneuen Haarstyle dazu mixt, sorgt bei den Fans dann doch für erhöhten Puls und Schnappatmung. Biebs mit lila Haaren und seine gestählten Bauchmuskeln – kann Sexappeal heißer sein?“ Wir gestehen: Uns fällt da auf Anhieb nichts ein.

Was wirklich wichtig ist im Netz

Online-Trends zum Zweiten: Wie exklusiver Online-Journalismus aussehen kann, demonstriert bild.de mit einer Geschichte aus der Rubrik „Hot aus dem Netz – Worüber wir lachen, weinen, uns ärgern“. Das Thema: „Die Google-Suche exklusiv in Bild: Was Deutschland wirklich über Jenny Elvers wissen will“. Damit wirklich jeder weiß, worum es geht, legt bild.de nach: „Google hat exklusiv für Bild die meistgestellten Suchanfragen zu Jenny Elvers herausgesucht.“ Und die haben es exklusiv in sich – mehr soll hier nicht verraten werden…

Foto: Thinkstock, 128013166, Wavebreak Media, Wavebreakmedia Ltd

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