Der digitale Presserückblick

Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin Februar 22, 2016

Der digitale Presserückblick

Ein Busengeheimnis, ein Zukunfts-Krieger, ein Rapper in der Russenhocke, Symbolarchitektur und Werbegebote wie -verbote – wo gibt‘s denn so etwas? Natürlich in der Presseschau, und die kommt hier.

Morgen, Kinder, wird’s das geben

Wie sieht die Zukunft von Instagram aus? Die Onlineausgabe von „Die Welt“ hat einen befragt, der es wissen sollte: Mike Krieger, Mitbegründer und aktueller Technik-Chef der Foto-Plattform. Den interessieren gemäß Interview aktuell vor allem zwei Zukunftstechnologien, nämlich „künstliche Intelligenz und virtuelle Realität“. Instagram wolle künftig verstärkt „Live-Events wie etwa Sport-Veranstaltungen oder Konzerte begleiten“. Künstliche Intelligenz könnte dabei helfen, „die individuellen Perspektiven Tausender Instagrammer zu einer konsistenten Rekonstruktion des Events zusammenzusetzen“. In Kombination mit virtueller Realität wäre es dann möglich, eine „Art immersive Erfahrung“ zu bauen: „Nutzer“, so Krieger, „könnten virtuell zu verschiedenen Sitzplätzen im Konzertsaal springen und bei der Backstage-Party nach dem Konzert zusehen.“

Darüber hinaus arbeite Instagram aktuell daran, die Suche zu verbessern – nicht ganz ohne monetäre Hintergedanken. Es „wäre natürlich interessant“, sagt Krieger ganz offen, „der Community bei der Suche nach Bildern von einem bestimmten Produkt sofort die passende Werbung anzuzeigen“. Die Foto-Filter, mit denen die Erfolgsgeschichte von Instagram begann, würden zukünftig „immer subtiler und unauffälliger“ ausfallen. Künstliche Intelligenz könnte auch bei neuen Filtern zum Einsatz kommen – und laut Krieger „etwa Vorder- und Hintergrund im Bild detektieren und unerwünschte Inhalte im Hintergrund löschen – gewissermaßen ein Radiergummi für Photobombs“. Wer jetzt nicht weiß, was Photobombing ist, dem müssen wir die harte Wahrheit ins Gesicht sagen: Du bist alt.

Von der Zukunft zurück in die Gegenwart – und zur Frage: Was geht gerade bei Instagram? Ist doch klar: das Busengeheimnis von Kim Kardashian und die Russenhocke, was sonst. Letztere ist natürlich nur ein Abklatsch der guten alten Raphocke. Noch nie von gehört? Boah, seid ihr alt.

Auf den Knien

Apropos Raphocke: In die Knie ging auch der Rapper Kanye West – oder besser auf die Knie, und das vor dem Facebook-Chef. „Mark Zuckerberg, investiere eine Milliarde Dollar in Kanye West“, bettelte der Musiker auf Twitter, wie unter anderem die Onlineausgabe des „Manager Magazin“ freudig berichtet. „Du liebst Hip-Hop, du liebst meine Kunst, ich bin dein Lieblingskünstler, aber du siehst mir dabei zu, wie ich kaum atmen kann, und spielst trotzdem mein Album bei dir zu Hause,“ legte der Gatte von Kim-Busengeheimnis-gelüftet-Kardashian demnach nach und twitterte kurz darauf „das Organigramm eines fiktiven Unternehmens“, das er mithilfe des Zuckerbergschen Geldes gründen wolle. Dass Kanye West vorsichtshalber auch Googles Larry Page anschnorrte, dürfte seine Erfolgsaussichten nicht gerade erhöhen. Und vielleicht wäre es auch nicht unklug gewesen, Mark Zuckerberg auf Facebook anzubetteln. Denn bei Twitter ist der Facebook-Chef nicht…

Auf Kuschelkurs

Dafür wird Zuckerberg bald Berlin besuchen, kommende Woche möchte er dort die Fragen von Facebook-Usern öffentlich beantworten. Und ein bisschen gut Wetter machen, wegen Hasskommentaren und so. Die Einweihung der neuen Hauptstadt-Dependance fand derweil ohne den Chef statt, das hat die „Berliner Chef-Lobbyistin Eva-Maria Kirschsieper“ übernommen, wie uns die Onlineausgabe des „Tagesspiegel“ informiert. Dort lesen wir auch von einer komplett fehlenden Deckenverkleidung – und erfahren, dass es sich hier nicht um Pfusch am Bau handelt: „Nein, die Sicht auf den Rohbau ist sogar gewünscht, als Symbol für Facebooks Ziel, ,die Welt offener und verbundener‘ zu machen.“ Das finden wir super, das erinnert uns an den Mitbewohner zu seligen WG-Zeiten, der die Wohngemeinschaft offener und verbundener gestalten wollte und immer mit offener Toilettentür… aber das führt jetzt vielleicht etwas zu weit.

Speck fängt Mäuse

Stichwort Mobile Advertising: Die „User wünschen sich mehr Relevanz und Kreativität“, berichtet das Marketing-Portal „Horizont“, und beruft sich dabei auf die Studie „Mobile + Me“ des IT-Dienstleisters Quantcast. Demnach „erwarten 37 Prozent der Befragten ab 16 Jahren vor allem bei mobilen Werbeformaten eine höhere Relevanz als bei Werbemitteln auf anderen Endgeräten“. 40 Prozent würden sich zudem kreativere Werbung wünschen. Besonders stark seien diese Wünsche in der Altersgruppe von 16 bis 34 Jahren ausgeprägt. Dort, so „Horizont“, „liegen die Werte bei 47 Prozent (Relevanz) und 51 Prozent (Kreativität)“. Aktuell würde rund die Hälfte der User Smartphone-Werbung als aufdringlicher als Desktop- und Tablet-Werbung empfinden. Für genauso viele Befragte „wirken sich mobile Kampagnen, die von ihnen als nicht relevant eingestuft wurden, sogar negativ auf die Markenwahrnehmung aus“.

Das Potenzial für Mobile Advertising sei nichtsdestotrotz enorm. 64 Prozent der Teilnehmer hätten angegeben, „dass sie durch mobile Werbung bereits beeinflusst worden sind und schließlich bei einem anderen Anbieter eingekauft haben“. In der Gruppe der 16- bis 34-Jährigen seien es sogar 80 Prozent, schreibt „Horizont“ weiter. Die Moral von der Geschichte? Mobile Werbung wirkt, wenn sie auf die Zielgruppe zugeschnitten und originell ist – besonders empfänglich dafür ist die begehrte Gruppe der Jüngeren. Also Werber, legt euch ins Zeug.

Schotten dicht

Werbung zum Zweiten: „Die Pro Sieben Sat 1 Media zieht vors Bundesverfassungsgericht, um das seit Jahresbeginn geltende gesetzliche Verbot von regionalisierter Werbung zu Fall zu bringen“, entnehmen wir der Onlineausgabe der „Süddeutsche Zeitung“. Worum es geht? Regionalisierte Werbung bedeute, so die „Süddeutsche“, „dass Spots mit TV-Reklame in einem bundesweiten Programm nicht bundesweit laufen müssen – sondern dass zum Beispiel Zuschauer im Südwesten andere Spots mit anderen Produkten sehen als das Publikum auf den friesischen Inseln“. Das sei vor allem für Werbekunden aus dem Mittelstand interessant. Das Problem dabei: Das neue Rundfunkgesetz erlaube „bundesweiten Sendern diese Form der Werbung aber nur dann, wenn das Landesrecht im jeweiligen Ausstrahlungsgebiet dies ausdrücklich gestattet“, erklärt sueddeutsche.de. Die ProSieben-Gruppe sehe darin einen Verstoß gegen „Rundfunkfreiheit und Gleichheitssatz“, unter anderem weil regional zugeschnittene Werbung „Verlagen oder Web-Anbietern mit nationaler Reichweite erlaubt sei“ – aber nicht den TV-Sendern. Die „Süddeutsche“ zitiert ProSieben-Konzernvorstand Conrad Albert mit den Worten, die Neuregelung verfolge „kein legitimes Ziel, denn sie dient lediglich der Abschottung von Werbebudgets anstatt der Sicherung der Meinungsvielfalt“ – und wir fragen uns, was Werbung mit Meinungsvielfalt zu tun hat. Das nur am Rande.

Foto: Thinkstock, 128013166, Wavebreak Media, Wavebreakmedia Ltd

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