Der digitale Presserückblick

Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin August 28, 2015

Der digitale Presserückblick

Der hybride Butler M, stumme Todesschreie, die volle Kim Kardashian, überbewerteter Sex und kein McWhopper – das und mehr in der Presseschau für die Kalenderwoche 35.

Facebook legt zu, macht es einfacher und schafft Arbeitsplätze

Erstmals haben eine Milliarde User an einem Tag Facebook genutzt, das berichtet unter anderem der „Tagesspiegel“. Doch dabei solle es nicht bleiben. Mark Zuckerberg schiele nach den rund zwei Dritteln der Weltbevölkerung, die bislang kein Internet und somit kein Facebook hätten. Denen wolle der oberste Netzwerker einen Zugang zu „ausgewählten Online-Diensten“ verschaffen, damit sie Endlich auch Likes verteilen können.

Wer bereits zum glücklichen Weltbevölkerungsdrittel mit Internetzugang und zu den noch glücklicheren insgesamt 1,5 Milliarden Facebook-Nutzern gehört, der kann jetzt bei Bedarf seine Facebook-Seiten leichter umbenennen. Was sich genau geändert hat, lässt sich beispielsweise im Branchenblog thomashutter.com nachlesen.

Für ein noch glücklicheres Leben der Facebook-Nutzer soll bald der Besser-als-Siri-Assistent Facebook M sorgen, wie wir unter anderem dem uns bis dato unbekannten Onlinemagazin „Trends der Zukunft“ entnehmen. Bei dem im Test befindlichen Concierge-Dienst handelt es sich demnach „um ein in Zukunft im Messenger integriertes Hybridsystem, das in der Lage ist Erledigungen des Alltags abzunehmen.“ Die Funktionsweise: „Zunächst sollen intelligente Algorithmen die Beantwortung der Fragen und Bearbeitung einzelner Anliegen übernehmen. Wissen die Computer nicht mehr weiter sollen Menschen im Hintergrund aktiv werden“. Das aber, so „Trends der Zukunft“, würde „bei einem weltweiten Rollout ziemlich viel Personal benötigen“. In der Tat, wenn hinter jedem Computer ein Mensch stehen soll…

Stumme Todesschreie in der Timeline

Den Mord an zwei Journalisten im US-Bundesstaat Virginia bekamen viele Nutzer von Facebook und Twitter ungewollt sehen, da der Täter seine Tat filmte und das Video in den beiden sozialen Netzwerken veröffentlichte – wo es aufgrund der Autoplay-Funktion für Clips dann automatisch startete. Das sorgt nun für Kritik an der Autostart-Funktion, wie zahlreiche Medien vermelden – besonders eindrucksvoll ist der Bericht der Onlineausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ gelungen: „Todesschreie in der Timeline“ lautet die Überschrift, obwohl auch die „Süddeutsche“ weiß, dass die Autoplay-Videos stumm bleiben, wenn sie nicht vom User aktiv angeklickt werden. Der Spagat des Onlinemagazins, um die Überschrift zu retten: „Scrollt man durch den Newsfeed, werden Videos automatisch gestartet. Ohne Ton zwar, aber oft reichen die Bilder, um sich die Töne vorstellen zu können.“

Instagram rückt Kim Kardashian ins Bild

Der Zwang zum Quadrat ist gekippt, bei Instagram können Bilder und Videos nun auch im Hoch- und Querformat veröffentlicht werden. Den eigentlichen Grund für die Formatoffensive kennen die Hinterteil-Experten von bild.de: „Jetzt gibt es Kim Kardashian in ganzer Breite!“

Sex ist völlig überwertet

Sex sells – laut der Onlineausgabe von „W&V“ ist das „ein Ammenmärchen“. Das Branchenmagazin beruft sich auf eine Meta-Studie der Ohio State University, in deren Rahmen 53 Studien zum Thema „Sex und Gewalt in der Werbung“ untersucht wurden. Das Fazit der Studie, so „W&V“: „Ob Anzeigen mit freizügigen Models oder kriegsähnliche TV-Spots – solche Inhalte dienen den Zuschauern meist nur als Unterhaltung. Marken und Produkte können sich dadurch kaum in den Köpfen der Kunden verankern.“ Wir fügen hinzu: Das gilt aber nicht für die Marke Kim Kardashian.

Kein bisschen Frieden…

Ganz ohne Sex und Gewalt ist die jüngste Marketingaktion von Burger King ausgekommen, ein bisschen arg plump erscheint sie uns aber dennoch. Vorgeblich um für den Weltfriedenstag am 21. September und die Organisation Peace One Day die Werbetrommel zu rühren, hatte das zuletzt arg gebeutelte Unternehmen dem Rivalen McDonald’s eine Art Waffenstillstand unterbreitet. Wie beispielsweise welt.de berichtet, schlug Burger King vor, am eben jenem Weltfriedenstag einen gemeinsamen Burger anzubieten – einen McWhopper. McDonald’s lehnte dankend ab, was wir verstehen können – aber auch aber schade finden. Denn hätte McDonalds zumindest die Brötchen zum McWhopper beigesteuert, hätte es endlich mal einen Whopper gegeben, der uns beim Essen nicht gleich zwischen den Fingern zerbröselt…

Logofarbe wechsle dich

Wie irritierend es ist, „wenn Top-Marken die Logo-Farbe tauschen“, davon kann man sich bei „W&V“ ein Bild machen. Das Onlinemagazin zeigt animierte Logo-Paare bekannter Marken, da wechseln beispielsweise die Logos von Playmobil und Lego oder von Amazon und Ebay im Sekundentakt die Farbe und erscheinen somit mal im Original und mal in der Farbe des Mitbewerbers. Die Animationen stammen aus einem Blogbeitrag der britischen Onlinedruckerei Printsome, in dem Beitrag gibt es noch ein paar mehr Logo-Paare als bei „W&V“ zu sehen.

Foto: Thinkstock, 128013166, Wavebreak Media, Wavebreakmedia Ltd

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Von Matthias Lotzin August 28, 2015