Der digitale Presserückblick:
Diesmal mit dem Papst, Twitter, Apple Music, den Grimme Online Awards und Porno-QR-Codes

Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin Juni 19, 2015

Der digitale Presserückblick: </br> Diesmal mit dem Papst, Twitter, Apple Music, den Grimme Online Awards und Porno-QR-Codes

Was war in dieser Woche im digitalen Universum los, was wurde über Google, Facebook, Twitter & Co vermeldet, welche News sind einen Blick zurück wert? TESTROOM hat wieder Ausschau gehalten und die spannendsten News und Meinungen zusammengetragen.

Der Papst geißelt Facebook und hat Recht

Papst Franziskus hat sich in seiner Enzyklika „Laudato Si“ – ein ziemlich langer Riemen, der sich hier nachlesen lässt – Facebook und die anderen sozialen Netzwerke vorgeknöpft, wie unter anderem „Zeit Online“ berichtet. „Die wirkliche Weisheit, die aus der Reflexion, dem Dialog und der großherzigen Begegnung zwischen Personen hervorgeht“, so der Papst, „erlangt man nicht mit einer bloßen Anhäufung von Daten, die sättigend und benebelnd in einer Art geistiger Umweltverschmutzung endet.“

Recht hat er. Ein schönes Beispiel für „geistige Umweltverschmutzung“ auf Facebook liefert etwa das Onlineportal „OK!“ unter der Überschrift „,Ische‘: Verena Kerth disst Cathy Hummels auf Facebook“. Da der „Bericht“ nicht sonderlich lang ist, soll er hier in voller Länge dargereicht werden: „Auweia, das sitzt! Verena Kerth, 33, postete auf Facebook jetzt einen virtuellen Bogen zum Ankreuzen, darunter die Auswahlmöglichkeit ,Ich bin schockiert, weil Hummels die Ische geheiratet hat‘. Doch nicht nur die frisch vermählte Catherine Hummels – wie sich Fischer jetzt nennt – bekommt ihr Fett weg … Wer noch und was die Fans der Moderatorin von dem Posting halten – hier!“

Was für ein Quark da genau bei Facebook los war, hat sich uns erst nach längerem Nachdenken über die „OK!“-Zeilen erschlossen. Die „geistige Umnachtung“, so scheint es, hat nicht nur bei Facebook Einzug gehalten, sondern auch bei so manchen Online-Medien…

Twitter setzt auf Autostart und reagiert

Twitter lässt Videos künftig automatisch starten, meldet beispielsweise das IT-Fachportal zdnet.de. Die Clips sowie animierte GIFS und Vines (Sechs-Sekunden-Videos) würden aber zunächst ohne Ton ablaufen, den User per Tipp auf die Videos in der Timeline aktivieren können. Über die Optionen lasse sich der Autostart aber deaktivieren, so zdnet.de. Die Umstellung erfolge zunächst für die Web-Version und die iOS-App von Twitter, Android folge später. Die Neuerung zielt offenbar in erster Hinsicht auf Werbetreibende und basiere auf der Erkenntnis, dass automatisch startende (Werbe)-Clips häufiger von den Usern angesehen würden als solche ohne Autostart.

Über Twitter beziehungsweise Sprüche auf Twitter berichtet auch ProSieben – und zwar über Kommentare zum überraschenden TV-Karriereende von Stefan Raab. Die Fans beweisen laut ProSieben „jede Menge Humor“ – belegt wird das mit Tweets wie „Wenn ich das richtig verstanden habe, wird Stefan Raab jetzt zweiter Torwart beim FC Bayern München“. Das ist schon enorm witzig. Der Bericht trägt übrigens die Überschrift „Stefan Raab hört auf: So reagiert Twitter“. Uns hätte viel mehr interessiert: Wie reagiert ProSieben? Der Abgang seines Quoten-Zugpferds dürfte dem Sender noch reichlich Probleme bereiten…

Apple in der Fäkal-Kritik

Apples Musik-Streaming-Dienst Apple Music lockt mit einer kostenlosen dreimonatigen Testphase – die kleineren Plattenfirmen finden das alles andere als verlockend, wie etwa die Onlineausgabe des „Standard“ schreibt. Grund: Die Labels gehen während der Testphase leer aus, Apple zahlt ihnen keine Vergütung. Große Plattenfirmen können sich das noch leisten, die kleinen Indie-Plattenfirmen aber nicht. Und sind entsprechend erzürnt. Andy Heath, Vorsitzender des britischen Branchenverbands UK Music, findet laut „Standard“ drastische Worte: „Kleine Labels werden komplett beschissen!“ Auch der deutsche Verband unabhängiger Musikunternehmen (VUT) ist sauer und hat Apple einen offenen Brief geschickt. VUT vertritt immerhin 1.300 Musikunternehmen, von denen rund 35 Prozent der in Deutschland veröffentlichten Musik stammen soll. Sind diese und die britischen Indie-Labels nicht dabei, hat Apple Music ein Problem.

And the Winners are…

Die Grimme Online Awards 20215 sind vergeben, wie unter anderem die Onlineausgabe der „Tagesschau“ berichtet. Zu den Preisträgern gehören „eine Museumswebsite, ein Newsletter und ein digitales Stadtmagazin“; der aus dem All twitternde Astronaut Alexander Gerst ging trotz Nominierung leer aus. Wir haben uns die Preisträger auch einmal angesehen und empfehlen einen Blick auf diese beiden zu werfen: die interaktiv Web-Videodokumentation „Polar Sea 360“ von Arte und die Online-Reportage „MH17 – Die Suche nach der Wahrheit“ des Recherchebüros Correct!v über den Flugzeugabsturz über der Ukraine. Beides tolle Beispiele dafür, wie Onlinejournalismus aussehen kann.

Ketchup goes Porno

„Ketchup steht drauf – bei Porno kommt man raus“, betitelt bild.de treffend seinen Bericht über die späten Folgen einer PR-Aktion des Soßenherstellers Heinz. Für eine Werbeaktion, die von 2012 bis 2014 lief, hatte Heinz eine Internetseite gebucht, auf die User über QR-Codes auf den Etiketten der Heinz-Ketchup-Flaschen gelangten. Doch Ketchup hält sich lange Zeit – und wie Heinz via Facebook von einem Kunden erfahren musste, landet, wer sich jetzt vom QR-Code leiten lässt, auf einem Pornoportal. Tja, man lernt nie aus, das gilt auch für die Marketingabteilung von Heinz. Die lässt ihre Aktionsseiten künftig bestimmt deutlich länger weiterlaufen.

Foto: Thinkstock, 128013166, Wavebreak Media, Wavebreakmedia Ltd

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Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin Juni 19, 2015