Der digitale Presserückblick:
Diesmal mit Twitter, Mark Zuckerberg, Netzneutralität, Rentner Jürgen und Brad, dem Praktikanten

Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin Juli 3, 2015 Updated

Der digitale Presserückblick: </br> Diesmal mit Twitter, Mark Zuckerberg, Netzneutralität, Rentner Jürgen und Brad, dem Praktikanten

Was hat sich bei Google, Facebook, Twitter und den anderen üblichen Verdächtigen getan, worüber wurde in diese Woche berichtet, welche Meldungen und Meinungen haben einen Rückblick verdient? TESTROOM hat die spannendsten News zusammengetragen und bittet zur Presserückschau – Vorhang auf für die Kalenderwoche 27.

Friede, Freude, Eierkuchen bei Twitter

Bei Twitter läuft es bombig. Die ganzen Meldungen über Probleme und rote Zahlen – Kokolores. Das hat der scheidende Twitter-Chef Dick Costolo (siehe Presserückblick für die Woche 24) jetzt der Welt erklärt – und darüber berichtet unter anderem die Onlineausgabe der „Frankfurter Rundschau“. Demnach wachse der Umsatz geradezu rasant, Twitter habe sogar „wiederholt auf schnelles Geld verzichtet, um das Erlebnis für die Nutzer nicht zu beeinträchtigen“ – was immer das heißen mag – und sein Rückzug von der Firmenspitze sei natürlich lange geplant gewesen und nur von ihm selbst beschlossen worden. Costolo ist der Überzeugung, ein gut bestelltes Haus zu hinterlassen, auf seinen Nachfolger warte ein „wunderbares Team“, zitiert ihn die „Frankfurter Rundschau“. So sind sie, die Amis. Immer alles super. Nur eines soll noch besser werden: Costolo wünscht sich, dass mehr prominente Politiker und Unternehmer den Kurznachrichtendienst nutzen. „Ich würde es natürlich gerne sehen, wenn alle Manager, alle Präsidenten, Kanzler und Ministerpräsidenten auf Twitter wären“, so Costolo. Schließlich sei ja auch Apple-Chef Tim Cook bei Twitter, und bei dem handele es sich immerhin um den „Boss des wertvollsten Unternehmens der USA“. Da sollen sich mal Frau Merkel und die anderen Twitter-Abstinenzler nicht so anstellen.

Mark Zuckerberg hat Visionen

Der Facebook-Chef hat zur Fragestunde in seinem sozialen Netzwerk eingeladen, worüber natürlich ausgiebig berichtet wurde – bei „Spiegel Online“ unter der Überschrift „Die bedenklichen Visionen des Mark Zuckerberg“. Demnach glaubt Zuckerberg an ein grundlegendes mathematisches Gesetz für menschliche Beziehungen, das steuere, „für wen oder wofür wir uns interessieren“, zitiert ihn „Spiegel Online“. Zuckerberg sei davon überzeugt, dass wir eines Tages „die Macht haben, unsere vollständigen sensorischen und emotionalen Erlebnisse mit anderen Menschen zu teilen, wann immer wir wollen“ und dass die Menschen „eines Tages in der Lage sein werden, einander mit Hilfe von Technik vollständige Gedanken direkt zu schicken“. Schließlich sei „die Macht der Menschen, Dinge miteinander zu teilen, eine der größten Antriebskräfte der Welt von heute“. Wir dachten immer, die größte Antriebskraft neben Sex ist die, kräftig Geld zu verdienen – beispielsweise mit gesammelten Nutzerdaten und Werbung in einem sozialen Netzwerk.

Netzneutralität – Vorfahrt für Phantome

Die EU hat ihre Verhandlungen über das Reizthema Netzneutralität abgeschlossen – mit einem Kompromiss, der unter anderem für „Zeit Online“ einige „Fragen offen lässt“. Laut dem Onlinemagazin sei beschlossen worden, dass die Roaming-Gebühren bis Juni 2017 wegfallen, im Gegenzug dürften die Provider „Überholspuren im Netz bauen, um besondere Dienste anbieten zu können“. Was das für „besondere Dienste“ sind? Laut dem Kompromisspapier könnten die Netzbetreiber künftig „andere Dienste anbieten, die für bestimmte Inhalte, Anwendungen oder Dienste optimiert sind, wenn diese Optimierung nötig ist, um den Ansprüchen dieser Inhalte, Anwendungen oder Dienste an ein bestimmtes Qualitätsniveau zu genügen“. Ah ja. Solche Dienste sind laut „Zeit Online“ bislang „nur Phantome“, so hätte auf der Branchenmesse Angacom Anfang Juni in Köln „kein Provider ein konkretes Beispiel für einen Spezialdienst nennen“ können. Wir sind der festen Überzeugung, dass sich irgendein Dienst finden lassen wird, und gehen jetzt weiter unseren Dienstverpflichtungen nach, wir haben schließlich eine vorbildliche Dienstauffassung, sind unserem Dienstherren treu ergeben und würden niemals ein Dienstgeheimnis ausplaudern, auch nicht nach Dienstschluss.

Rentner Jürgen tritt Pegida in den Hintern

Ein 63-Jähriger postet Fotos vom Essen im Altenheim – das war nicht nur dem Onlineableger von „Focus“ eine Meldung wert. Demnach hat der Rentner namens Jürgen damit begonnen, die im Seniorenstift servierten Mahlzeiten zu knipsen und bei Facebook zu veröffentlichen. Für „Focus“ ein klarer Fall von „Ekel-Essen“. Warum der Jürgen das macht? Er hätte sich darüber geärgert, „dass er keinen Nachschlag bekam“. Da müsste er doch eigentlich froh sein, aber egal. Viel wichtiger und richtig gut finden wir, dass sich Jürgen bei Facebook von Trittbrettfahren distanziert hat, die das Thema Pflegenotstand für ihre „Bratwurstpropaganda“ missbraucht hätten. „Da dies ein freies Land ist und man keinem verbieten kann, sich diesbezüglich zu äußern, DISTANZIERE ICH MICH noch einmal LAUT UND DEUTLICH von rechtsgesinnter Gefolgschaft! ,Lutz Bachmann‘ und Co, (-oder wie ihr alle heißt), ich trete euch hiermit virtuell mit meiner ganzen Kraft in den Allerwertesten!“ Dem wollen wir ausnahmsweise man nichts hinzufügen.

Apple, das Praktikanten-Paradies

Und noch einmal das Investigativ-Magazin „Focus“, das über den Apple-Praktikanten Brad berichtet. Der habe jetzt trotz Verschwiegenheitsklausel ausgepackt, wie es Praktikanten bei Apple ergeht. Wer eine Geschichte Wallraffscher Dimensionen über Ausbeutung und unbezahlte Nachtschichten erwartet, wird bitter enttäuscht. Denn laut „Focus“ verdienen Praktikanten bei Apple „bei einer 40-Stunden-Woche im Monat rund 7.000 Dollar oder 6.300 Euro“. Überstunden würden „nicht nur ebenfalls bezahlt, sondern sogar mit dem anderthalbfachen Stundensatz“. Einen „kostenlosen WG-Platz im Silicon Valley“ oder „1.000 Dollar Mietzuschuss“ gebe es obendrauf. Und das Beste: Einen Praktikumsplatz zu ergattern, sei laut Brad „ziemlich simpel“. Apple, wir kommen, mach Platz für einen paar Langzeitpraktikanten aus Hamburg!

Foto: Thinkstock, 128013166, Wavebreak Media, Wavebreakmedia Ltd

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Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin Juli 3, 2015 Updated