Der digitale Presserückblick:
Facebook und Google im Doppelpack, auf Tuchfühlung mit der Troll-Höhle und tolles Storytelling

Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin Juni 5, 2015 Updated

Der digitale Presserückblick: </br> Facebook und Google im Doppelpack, auf Tuchfühlung mit der Troll-Höhle und tolles Storytelling

Was war los in der Digitalwelt, was wurde diese Woche berichtet, auf welche Meldungen sollte ein Blick geworden werden? TESTROOM hat sich umgesehen und wieder Interessantes und Schräges zusammengetragen – viel Freude beim Lesen.

Facebook: Künstliche Intelligenzen und Posts im Psycho-Check

„Die Angst vor künstlicher Intelligenz ist überzogen“, verkündet Facebooks Forschungsleiter für KI Yann LeCun in der Onlineausgabe der „Süddeutschen Zeitung“. Der Anlass ist, dass Facebook in Paris eine weitere Forschungseinrichtung für künstliche Intelligenz (KI) eröffnen wird – und das Thema vielen Menschen unheimlich ist. Schließlich weiß man ja aus zig Science-Fiction-Filmen, was intelligente Maschinen alles so anstellen können: Wenn es gut läuft, unterdrücken sie die Menschen lediglich. Läuft es schlecht, wollen sie uns samt und sonders ausrotten. Das Thema KI ist zuletzt hochgekocht, selbst der Physiker Stephen Hawking warnte jüngst: „Die Entwicklung von kompletter künstlicher Intelligenz könnte das Ende der Menschheit bedeuten.“ KI-Forscher LeCun ist um Beschwichtigung bemüht. Seiner Überzeugung dauere es noch Jahrzehnte, bis Maschinen oder Computerprogramme so intelligent wie Schimpansen sein könnten. Mithilfe von verbesserter KI will Facebook, so die „Süddeutsche“, „bessere Dienste für Nutzer anbieten“ – und wir fragen uns: Entscheidet dann bald ein Schimpansenhirn, was wir bei Facebook zu sehen und lesen bekommen?

Über „Facebook-User im Psycho-Check“ berichtet „Focus“. Eine neue Studie der Brunel University in London zeige, dass sich aus Facebook-Mitteilungen Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Verfassers ziehen lassen. Wer beispielsweise ständig Fotos von sich selbst im Fitnessstudio postet, sei wahrscheinlich ein Narziss mit mangelndem Selbstvertrauen, der um Bestätigung buhlt und womöglich psychische Probleme habe. Wer dagegen oft Berichte über aktuelle Themen und Forschungsergebnisse veröffentlicht, sei ein eher intellektueller Mensch mit hohen Offenheitswerten. Ist Ihnen eigentlich schon aufgefallen, dass wir in unserer Presseschau sehr oft über aktuelle Themen und Studien berichten?

Google im Kampf gegen die Kalorien

Google bastelt an einer App, die anhand eines Fotos ermitteln kann, wieviel Kalorien das abgelichtete Essen hat – worüber unter anderem „Spiegel Online“ berichtet. Das Programm soll mittels KI (siehe oben) Aufnahmen Pixel für Pixel analysieren, die Größe der Portion abschätzen und mit einer Lebensmitteldatenbank abgleichen, heraus kommen dann die Brennwerte. Offenbar ein weiterer Schritt von Google, um die Welt besser, schöner und gesünder zu machen. Das gefällt nicht jedem. So mäkelt die Onlineausgabe des „Stern“ über ein weiteres Forschungsprojekt von Google, die zusammen mit Levis entwickelte Jeans, die vor Gewichtzunahme warnt. „Google soll nicht wissen, dass ich fett werde“, so die Überschrift des Kommentars. Damit liegt der „Stern“ voll im Trend, denn schließlich lernt uns der Internet-Hype der DadBods gerade, dass etwas Bauch wieder in ist. Dem schließen wir uns an, schwänzen ab sofort das Fitnessstudio – wir haben ja keine psychischen Probleme – und futtern erst mal eine Currywurst.

Zu Besuch bei den Russen-Trollen

Über die russische „Trollfabrik“ in St. Petersburg und die dort tätigen Trolle, die in Russland und dem Ausland Onlinepropaganda im Sinne der russischen Regierung betreiben, wurde jüngst viel berichtet. Der US-Journalist Adrian Chen war vor Ort, sprach mit ehemaligen Trollen und hat darüber einen langes Lesestück in der Onlineausgabe der „New York Times“ veröffentlicht. Mit welch perfiden Methoden in Russland Meinungsmache betrieben wird und Tatsachen verdreht werden, hat er dabei am eigenen Leibe erfahren – äußerst lesenswert.

Storytelling par ex­cel­lence

Zum Schluss noch ein besonders gelungenes Beispiel für – Achtung: Buzzword! – digitales Storytelling. Anlässlich des G7-Treffens auf Schloss Elmau hat die „Süddeutsche“ keine Kosten und Mühen gescheut und einen tollen interaktiven Artikel produziert, den Sie hier finden.

Foto: Foto: Thinkstock / Wavebreakmedia Ltd

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Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin Juni 5, 2015 Updated