Der digitale Presserückblick:
Kollegenschelte, Blockadedrohungen, eine Troll-Domain und Google-Banalitäten

Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin Mai 15, 2015

Der digitale Presserückblick: </br> Kollegenschelte, Blockadedrohungen, eine Troll-Domain und Google-Banalitäten

Was hat sich in der digitalen Welt ereignet, worüber wurde in dieser Woche geschrieben, welche News sind eine Rückschau wert? TESTROOM hat Spannendes und Skurriles aus Internet, Social Media, SEO & Co. zusammengesucht – viel Spaß damit.

Facebooks „Instant Articles“: Kniefall vor dem Imperator

Verlagen liefern exklusive journalistische Inhalte für Facebook und dürfen dafür die Werbeeinnahmen einsacken (siehe Presserückblick Woche 19) – in Deutschland nehmen an dieser von dem sozialen Netzwerk „Instant Articles“ getauften Kooperation „Spiegel Online“ und „Bild“ teil. Die „Frankfurter Allgemeine“ hat das mächtig auf die Palme gebracht, in einem Kommentar mit der Überschrift „Bitte benutzen Sie den Lieferanteneingang“ hagelt es Kollegen- und Facebook-Schelte vom Feinsten. Hier ein kleines Best-of:

– „Die Todgeweihten beugen sich vor dem neuen Kaiser.“
– „Journalisten mit Stockholm-Syndrom“.
– „So wird der Datenhändler Mark Zuckerberg in seinen jungen Jahren zum größten Chefredakteur der Welt. Citizen Kane ist wieder da.“
– „Da gibt es dann vornehmlich angenehme Storys im Katzenbilder-Stil oder echte, schnelle Aufreger, die zum Shitstorm werden bis zur Online-Exekution.“
– „Die Kollegen hinterlassen einen erbarmungswürdigen Eindruck.“

Mehr der Schelte gibt’s hier.

Neue Domainendung „.sucks“ und die Furcht vor den Trollen

Eine neue, demnächst frei geschaltete Domainendung macht Unternehmen und Promis ganz fickerig, berichtet „Zeit Online“: Am dem 1. Juni sei die Endung „.sucks“ öffentlich verfügbar, derzeit laufe die sogenannte Sunrise-Periode. Markeninhaber könnten sich aus der Domainendung und ihrem Markennamen zusammengesetzte Internetadressen sichern, bevor sie in den freien Verkauf gehen – und sehen sich laut „Zeit Online“ zähneknirschend und schimpfend zur Registrierung gezwungen, da sie Troll-Websites mit ihrem Markennamen und der unschönen Endung fürchten. Stolze 2.500 Dollar pro Jahr koste die Registrierung bei dem für die „.sucks“-Endungen zuständigen Verwalter, eine Firma mit dem schönen Namen Vox Populi. Das Unternehmen – der Name verpflichtet! – verstehe die Kritik nicht, man wolle doch lediglich dem Volk eine neue Stimme geben. Die Trolle wird‘s erfreuen.

Google am Ende: Netzbetreiber drohen mit mobiler Werbeblockade

Mit dem martialischen Slogan „Schlag gegen Google & Co.“ berichtet „Spiegel Online“ (wie viele andere Medien auch) über einen Bericht der „Financial Times“, über den der DPA-Verteiler berichtet hat. Demnach arbeiten „mehrere Mobilfunkanbieter“ an einer Werbeblockade für Smartphones, „ein europäischer Netzbetreiber habe bereits die dafür nötige Software in seinen Rechenzentren installiert und wolle sie bis Ende 2015 einschalten“. Die Firma, die die Software entwickelt habe, „arbeite mit mehreren Netzbetreibern zusammen“, „einer davon habe 40 Millionen Kunden“. Für den Fall, dass Google die Netzbetreiber jetzt nicht ganz schnell an seinen Werbeerlösen beteilige, würden die Netzbetreiber womöglich eine „Bombe“ zünden und „Anzeigen auf einen Schlag für das gesamte Netzwerk mit Millionen Kunden“ blockieren. Klingt alles seltsam nebulös und unausgegoren, finden Sie? Finden wir auch.

Google, die Pinkelbots und Fakten-Journalismus

Und noch etwas zu Google aus der Feder von „Spiegel Online“: Das Magazin schreibt über „Vandalismus auf Google Maps“. Offenbar hat Google die Website Map Maker abgeschaltet, über die jeder bei Google angemeldete User den Kartendienst verändern kann. Das habe in jüngster Vergangenheit zu einer Eskalation von „Spam-Angriffen auf Google Maps“ geführt, zitiert „Spiegel Online“ eine Google-Mitarbeiterin. Das Fass zum Überlaufen habe dann die „Pinkelbot-Störaktion“ gebracht, bei der ein User namens Nitricboy in die Karte von Pakistan ein Android-Männchen gezeichnet hatte, das auf ein Apple-Logo pinkelte. Es lebe die Schwarm-Intelligenz!

Noch Banaleres zum Thema Google hat „Focus“ parat: „Google ehrt den Vatertag mit einem eigenen Doodle“, berichtet das Magazin – und damit ist die Geschichte eigentlich auch schon erzählt. Da das selbst für „Focus“-Verhältnisse zu kurz wäre, folgt eine Abhandlung zum Thema Vatertag und Himmelfahrt – der Leser ist baff vor Erstaunen ob solch gesammelter Fakten wie dieser hier: „Traditionell machen sich viele zu einer Fahrradtour oder einer Wanderung auf, um später zünftig einzukehren und von Gaststätte zu Gaststätte zu ziehen. Die Kirchen indes laden zu Gottesdiensten und Festen im Freien.“ Das ist Online-Journalismus, wie er sein sollte.

Foto: Thinkstock / Wavebreakmedia Ltd

Lesen Sie auch diese interessanten Artikel
Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin Mai 15, 2015