Der digitale Presserückblick

Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin Juli 17, 2015

Der digitale Presserückblick

Die Presseschau für die Kalenderwoche 29 – mit einer bürgernahen Kanzlerin, Facebook & Google im Shopping-Fieber und einem falschen Kundendienst. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.

Die Kanzlerin und die inszenierte Bürgernähe

Das Video-Interview mit dem YouTuber LeFloid dürfte ganz nach Angela Merkels Geschmack verlaufen sein, die Kanzlerin – so die einhellige Meinung der Medien – war es, die das Gespräch im Griff hatte und steuerte. Umso schlechter kommt der Fragesteller Florian Mundt alias LeFloid in den meisten Kommentaren weg. Die Onlineausgabe der „Frankfurter Allgemeinen“ etwa wettert: „Unter journalistischen Gesichtspunkten war diese Fragestunde ein Desaster. Mundt machte alles falsch, was ein Anfänger falsch machen könnte.“ Netzpolitik.org findet: „Das war der klassische Angela Merkel-Podcast, nur dass diesmal die Fragen einfach LeFloid stellte und selbst für den Dreh und seine Zeit bezahlen musste, anstatt dass das von unseren Steuergeldern gezahlt wird.“ Für Angela Merkel sei das „sehr cool“ gewesen, „im Kanzleramt dürften die Korken knallen“.

Der Schaumweinlaune einen Dämpfer verpasst haben dürfte die ebenfalls im Video aufgezeichnete Begegnung von Frau Merkel mit einer Schülerin aus dem Libanon. Stellvertretend für die Flut an Berichten über die Kanzlerin und das weinende Flüchtlingsmädchen sei hier auf den Artikel „So nah, dass es wehtut“ von „Zeit Online“ verwiesen. „In ihrer Kampagne ,Gut Leben in Deutschland‘ will die Bundeskanzlerin mit den Bürgern sprechen“, schreibt die Onlineausgabe der „Zeit“ – um dann der Frage nachzugehen: „Was passiert, wenn sie dann echte Menschen und keine Statisten sind?“ Für einen kurzen Moment sei „aus dem Gesicht von Angela Merkel die Bundeskanzlerin verschwunden“, nach „genau fünf Sekunden“ habe sie dann „wieder ein professionelles Lächeln aufgesetzt“. An der Reaktion der Kanzlerin auf die Tränen des Mädchens kritisiert „Zeit Online“: „Ihr scheint nicht aufzugehen, dass das Mädchen nichts ,darstellt‘, dass sie keine Statistin in diesem Bürgerdialog ist, sondern eine von diesen echten Menschen mit echten Problemen, um die es ja eigentlich gehen soll.“ Die Bundesregierung beschreibt das Geschehen dagegen so: „Angela Merkel ging auf die Schülerin zu und tröstete sie mit den Worten: ,Du hast das ganz toll gemacht‘. Daraufhin gab es großen Applaus für die junge Libanesin“. Mit Applaus raus – schöner Abschieben im Dialog mit echten Bürgern.

Facebook, Google und die Shopping-Zange

Facebook erprobt derzeit eine neue Shopping-Funktion, berichtet unter anderem das Onlinemagazin „t3n“. Dabei könnten Firmen „ihre Facebook-Pages zu Mini-Schaufenstern außerhalb ihrer Webseiten umfunktionieren“, über die User direkt Produkte kaufen könnten. Händler hätten dabei die Option, dass die Bezahlung auf Facebook oder auf ihrer eigenen Website abgewickelt werde. Bislang soll der Test noch auf Sparflamme laufen, laut „tn3“ ist „eine kleine Anzahl von Nutzern in der Lage, die Produkte einer Handvoll Einzelhändler und E-Commerce-Unternehmen zu sehen und zu kaufen“.

Dass auch Google an einem Shopping-Button bastelt, darüber haben wir bereits im Mai berichtet – nun gibt’s die offizielle Bestätigung für „Purchases on Google“. Wie zum Beispiel die Onlineausgabe des „Stern“ schreibt, befinde sich die neue Funktion „aktuell in einer frühen Probephase“. Uns bleibt also noch etwas Zeit, bevor uns die Kauf-Buttons von allen Seiten in die Zange nehmen.

Hoffentlich konnten wir Ihnen weiterhelfen

Auf den falschen „Kundendienst“ hat uns „Focus Online“ gebracht. Er antwortet auf den Facebook-Seiten von Unternehmen auf Kundenbeschwerden und tut dabei so, als sei er der echte Kundendienst – gibt sich dabei aber ziemlich unverschämt. Besonders witzig ist das, wenn die User den falschen Kundendienst für den echten halten – und sich dann noch der echte Kundenservice einschaltet, wie in diesem Beispiel:

Eigentlich ist das eine Sache für den Verfassungsschutz!

Posted by Kundendienst on Donnerstag, 16. Juli 2015

Foto: Thinkstock, 128013166, Wavebreak Media, Wavebreakmedia Ltd
Screenshot: facebook.com

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