Firefox Tiles: So funktionieren Mozillas neue Werbekacheln

Mart-Jan Knoche
Von Mart-Jan Knoche November 18, 2014

Firefox Tiles: So funktionieren Mozillas neue Werbekacheln

Mozilla ist ab sofort im Anzeigengeschäft tätig: Der neue Firefox 33.1 (hier mehr darüber) zeigt seinen Nutzern erstmals Werbung an. Wer Webseiten betreibt, kann im meistgenutzten Browser Deutschlands künftig „Enhanced Tiles“ schalten. Wie funktionieren die Werbekacheln? Und wie schaltet man sie ab?

Die Mozilla Foundation steigt ins Werbegeschäft ein: In ihrem aktuellen Firefox 33.1 tauchen erstmals Werbeanzeigen auf, sogenannte „Enhanced Tiles“. Eingeblendet werden sie innerhalb der Vorschaukacheln, die in leeren Tabs zu sehen sind. Bislang wurden dem Browsernutzer dort Screenshots von häufig besuchten Webseiten angezeigt.

Ab sofort können Webseitenbetreiber die Ansicht ihrer Firefox-Kacheln gegen Bezahlung „verbessern“ – und optisch von den automatisiert generierten Thumbnails abheben. Statt eines winzigen Vorschau-Screenshots sieht ein Nutzer dann etwa das Unternehmenslogo samt -slogan.

Booking.com bucht erste Firefox Tiles hierzulande

Wer sich ein Bild von der neuen Funktion machen möchte, kann sich die Kacheln von Mozillas ersten Kunden anschauen: Neben dem US-Pharmaunternehmen CVS Health ist das die Reiseseite Booking.com, deren Werbekachel auch bereits deutschen Firefox-Nutzern angezeigt wird (siehe Screenshot oben).

Damit die Booking.com-Anzeige im eigenen Browser auftaucht, muss man entweder die Seite www.booking.com aufrufen und danach ein neues Tab öffnen oder die gesamte Browserchronik löschen.

Unterhalb der bezahlten Kachel ist der dezente Hinweis „Anzeige“ zu sehen. Die Position einer gebuchten Anzeige soll laut Mozilla nicht fix sein, sondern sich bei wiederholtem Aufrufen auf der Tabseite ändern. Und Daten über die Nutzung werden auch gesammelt, allerdings anonymisiert, versichern die Browsermacher.

Viele Firefox-Nutzer fragen sich jetzt: Warum führt die Mozilla Foundation, die sich dem freien, unabhängigen und quelloffenen Internet verschrieben hat, auf einmal Werbung ein? Antwort: wegen Google. Der Suchmaschinenkonzern sorgt aktuell mit 300 Millionen US-Dollar für rund 90 Prozent der jährlichen Einnahmen von Mozilla.

Als Gegenleistung ist Google als Standardsuchdienst im Firefox gesetzt. Doch der Vertrag zwischen den beiden Unternehmen läuft zum Jahresende aus – und Mozilla muss schleunigst neue Geldquellen erschließen.

Nutzer können Firefox-Werbung abschalten

Abschalten lassen sich die neuen Werbekacheln übrigens auch – dafür stehen Nutzern, die Mozilla nicht durch Werbung unterstützen möchten, gleich drei Möglichkeiten zur Verfügung:

  1. Wer die Kachelseite aufruft, kann via Klick auf das Zahnrad oben rechts die Kacheln abschalten (Abb. 1). Dafür muss auf „leer“ geklickt werden. Allerdings erscheint anschließend beim Öffnen eines neuen Tabs nur eine weiße Seite – auch die Kacheln für häufig besuchte Seiten verschwinden.
  2. Noch ist hierzulande allein die Anzeige von Booking.com zu sehen – und die lässt sich mühelos manuell entfernen: Wer seinen Mauszeiger über die Werbekachel bewegt und dann auf das „x“-Symbol klickt, sieht sie nicht mehr. (Abb. 2)
  3. Da die „Enhanced Tiles“ laut Mozilla derzeit nur beim erstmaligen Öffnen des Firefox sowie nach dem Löschen der Chronik erscheinen, können Nutzer die Werbung einfach „wegsurfen“. Durch den Aufruf neuer Webseiten werden die Werbekacheln im Seitenverlauf nach unten verdrängt, bis sie nicht mehr sichtbar sind.
Abb. 1
Firefox Kacheln Einstellungen
Abb. 2
Firefox Kachel löschen
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