Neue Studie zu Amazon Prime –
extra zahlen, um dann noch mehr zu konsumieren?

Marcus Müntefering
Von Marcus Müntefering Februar 2, 2015

Neue Studie zu Amazon Prime – </br>extra zahlen, um dann noch mehr zu konsumieren?

Die Vorteile, die es bietet, Prime-Kunde bei Amazon zu sein, liegen auf der Hand:

– Der Zugang zur Online-Videothek „Prime Instant Video“, wo viele Serien und Filme kostenlos konsumiert werden können, darunter auch Amazon-Eigenproduktionen wie die gerade ausgezeichnete Comedy/Drama-Serie „Transparent“ um einen alternden Familienvater, der plötzlich beschließt, eine Frau zu sein.
– Die Möglichkeit, kostenlos ein Buch pro Monat auf seinem Kindle zu lesen.
– Die praktische Fotoverwaltung.

Vor allem aber geht es um ein Thema: den kostenlosen Premiumversand, wie teuer (oder besser: billig) ein Produkt auch sein mag. Immerhin kostet schon der langsamere Standardversand bei Amazon inzwischen drei Euro, erst bei einem Mindestbestellwert von 29 Euro oder der gleichzeitigen Bestellung eines Buchs entfallen die Versandkosten.

In Deutschland kostet eine Prime-Mitgliedschaft 49 Euro im Jahr, in den USA sind es sogar 99 Dollar (etwa 88 Euro), dafür ist dort zusätzlich eine Musik-Streaming-Flatrate enthalten. In den USA ist jetzt eine interessante neue Studie zum Thema veröffentlicht worden. Die Marktforscher von CIRP (Consumer Intelligence Research Partners, LLC) haben herausgefunden, dass in Amerika wohl etwa 40 Millionen Amazon-Prime-Kunden aktiv sind (circa 45 Prozent aller Kunden, Amazon verrät die Zahlen nicht). Und diese kaufen pro Kopf durchschnittlich für 1500 Dollar im Jahr ein, während die „Normalkunden“ lediglich 625 Dollar ausgeben.

Verdrehte Logik: Mit jeder Bestellung sparen

Die psychologische Erklärung dahinter: Wer schon eine jährliche Gebühr für einen solchen Service zahlt, will auch etwas dafür bekommen. Heißt: Zumindest unbewusst denkt der Kunde, dass sich die Mitgliedschaft mehr lohnt, wenn er auch mehr bestellt. Schließlich „spart“ er bei jeder Bestellung die Versandkosten.

Eine etwas verdrehte Logik, aber Amazon freut’s. Sie versuchen, zumindest in den USA, mit Rabattaktionen wie Mitte Januar, noch mehr Kunden in „Primer“ zu verwandeln: Kurzfristig wurden die Mitgliedschaften für 72 Dollar verkauft. Gleichzeitig machte man die Serie „Transparent“, die kurz zuvor mit dem Golden Globe geehrt wurde, kurzfristig für alle Kunden kostenlos zugänglich. Amazon braucht immer neue Kunden, immer mehr Kunden, denn der Börsenwert des Unternehmens ergibt sich nicht aus den Gewinnen, sondern aus den Umsätzen und der Perspektive, die wichtigste weltbeherrschende Verkaufsplattform zu werden. Da spielt es kaum eine Rolle, dass Amazon beim Versand draufzahlt.

Kampf der Streaming-Giganten

Doch es geht nicht nur um den Versand. Gerade beim Streaming-Angebot von Filmen und Serien hat Amazon auch in Deutschland große Konkurrenz. Vor allem mit Netflix, dem US-Giganten, der 2014 auch in Deutschland starete, wird es ein interessant zu beobachtendes Rennen um die Vorherrschaft geben. Beide produzieren inzwischen ihrer eigenen Serien, Netflix unter anderem die Kritiker-Lieblinge „House of Cards“ und „Orange is the new Black“, Amazon neben „Transparent“ auch noch „Alpha House“, eine Polit-Comedy mit John Goodman, und die Nerd-Comedy „Betas“, die wir hier bereits vorgestellt haben.

Foto: Fotolia, Kollektion iStock

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