Facebook testet selbstlöschende Beiträge

Björn Tantau
Von Björn Tantau September 11, 2014

Facebook testet selbstlöschende Beiträge

Wer bereits Erfahrungen mit der Instant-Messaging-App Snapchat hat, wird das Prinzip kennen: Beiträge und Nachrichten, die sich nach einer bestimmten Zeit von selbst löschen. Was bei Snapchat grundsätzliche Voraussetzung für das Bestehen der App ist, will man nun auch bei Facebook testen und bei Erfolg integrieren. In den USA berichten User, dass sie in ihrer Facebook-App auf dem iPhone derzeit einstellen können, wie lange ein geposteter Artikel auf Facebook angezeigt werden soll. Facebook selbst nennt das Prinzip „Gültigkeitsdauer“ und bestätigt, dass man derzeit solche Tests mit ausgewählten Nutzerinnen und Nutzern durchführt.

User bestimmen Sichtbarkeits-Dauer selbst

Laut Facebook können die User eine Zeitdauer festlegen, in der ein Beitrag sichtbar ist und geteilt werden kann. Nach Ablauf dieser Frist wird der Beitrag dann „von der Website gelöscht“ und „aus Facebook entfernt“.

Das Entfernen von Inhalten auf Facebook ist bislang allerdings keine einfache Sache gewesen. Der blaue Riese behält gern alles bei sich, schließlich kann man nur so erfahren, wofür sich die User interessieren, um dann genauere Werbung anzubieten.

Und wer sich ab sofort über besseren Datenschutz auf Facebook freut, wird ebenfalls enttäuscht. Facebook will sich laut eigener Aussage „bemühen“, dass die von den Usern gesetzte Frist auch eingehalten wird – eine Garantie dafür gibt es aber nicht.

Beiträge werden nicht wirklich gelöscht

So könne es vorkommen, dass einzelne Beiträge auch nach Ablauf des festgelegten Zeitintervalls sichtbar sind und geteilt werden können – die Regel soll das aber nicht sein. Allerdings erfolgt auch keine echte Löschung, denn die Beiträge werden lediglich „unsichtbar“.

Die „Lebenszeit“ eines Beitrags kann zwischen einer Stunde und sieben Tagen liegen. Der Beitrag ist dann nicht mehr sichtbar, aber nicht verschwunden, denn laut Facebook kann es dann noch bis zu 90 Tage dauern, bis die Informationen wirklich „gelöscht“ sind – zumindest „aus den Back-Up-Dateien“.

Wie auch immer die Angelegenheit mit dem endgültigen Löschen der Daten letztlich gehandhabt wird: Dieser Test macht deutlich, dass Facebook noch immer versucht, SnapChat Konkurrenz zu machen. Erst im Juni war dafür eine eigene App namens „Slingshot“ veröffentlicht worden, über die sich User gegenseitig Fotos mit einer Lebensdauer von 30 Tagen zuschicken können.

Junge Zielgruppen enger binden

Facebook hatte vor einigen Monaten versucht, Snapchat zu kaufen, auch Google soll laut Medienberichten Interesse an der App gehabt haben. Snapchat aber ließ sowohl Facebook als auch Google abblitzen.

Kurze Zeit später übernahm Facebook WhatsApp und befindet sich somit schon in einer guten Ausgangsposition, um große Teile des Instant Messagings weltweit zu kontrollieren. Zusätzlich zu WhatsApp hat man auch noch den eigenen Messenger, mit dem man ebenfalls komfortabel kommunizieren kann.

Apps wie SnapChat sind insbesondere für jüngere Nutzerinnen und Nutzer interessant und Facebook will selbstverständlich auch diese Zielgruppe so eng wie möglich an sich binden. Sollte die neue „Timing-Möglichkeit“ beim Posten von Beiträgen gut ankommen, wird das Feature in den kommenden Monaten sehr wahrscheinlich zunächst in den USA und dann auch weltweit ausgerollt.

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Björn Tantau
Von Björn Tantau September 11, 2014