Twitter: Des Pudels Markenkern geht flöten

Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin Januar 7, 2016

Twitter: Des Pudels Markenkern geht flöten

Spekuliert wurde schon länger, jetzt hat Twitter-Chef Jack Dorsey die Diskussionen befeuert: Der Kurznachrichtendienst wird offenbar künftig kein Kurznachrichtendienst mehr sein. Die 140-Zeichen-Grenze für Tweets soll fallen, User laufen Sturm gegen die Ankündigung.

Bereits im Oktober vergangen Jahres sickerte durch, dass Twitter die Begrenzung von Tweets auf maximal 140 Zeichen abschaffen könnte (siehe Presseschau für die Kalenderwoche 40/2015). Nun hat Jack Dorsey, der Mitbegründer und Wieder-Chef von Twitter, in einem Tweet indirekt bestätigt, dass die Zeichenbegrenzung bald Geschichte sein wird. Wie der IT-Blog „re/code“ meldet, soll das schon im ersten Quartal des neuen Jahres der Fall sein – und die neue Obergrenze für Tweets bei stolzen 10.000 Zeichen liegen.

Twitter will und muss populärer werden

Die Abschaffung der 140-Zeichen-Grenze fügt sich nahtlos in Twitters Bemühungen ein, mehr User für sich zu gewinnen. Das größte Problem des Netzwerks ist, dass die Mitgliederzahlen stagnieren – und das Unternehmen deshalb an der Börse nicht in Fahrt kommt. Um Twitter populärer und damit auch für Anleger interessanter zu machen, fährt Firmenchef Jack Dorsey eine simple Strategie: von Facebook lernen heißt siegen lernen. Twitter kupfert bei Facebook ab – in der Hoffnung, ähnlich erfolgreich wie der unangefochtene Marktführer zu werden.

Der Kurznachrichtendienst beraubt sich seines Markenkerns

Twitter goes Facebook und drückt dabei aufs Gaspedal. Bereits 2015 gab es zahlreiche Neuerungen und Testläufe, etwa das News-Feature Moments und die Favoriten-Herzen statt der Sterne. Das Ende für die 140-Zeichen-Obergrenze wird aber die mit Abstand wichtigste Veränderung sein – und birgt Risiken. Das Unternehmen gibt freiwillig sein Alleinstellungsmerkmal auf, rührt an seinem Markenkern. Entsprechend heftig sind die Reaktionen im Netz, User protestieren unter dem Hashtag #Twitter10k gegen Twitters Pläne. Für Unternehmen und die Medienbranche eröffnen sich durch das Aus für die Zeichenbeschränkung aber auch neue Möglichkeiten. Sie können dann deutlich längere Beiträge in dem sozialen Netzwerk veröffentlichen – nicht immer liegt die Würze in der Kürze.

Foto: Fotolia, 51863267, Groenning

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