Facebook Growth Hacking: Der Weg zu den ersten 500 Millionen Usern

Björn Tantau
Von Björn Tantau September 16, 2014

Facebook Growth Hacking: Der Weg zu den ersten 500 Millionen Usern

Facebook hat seit seiner Gründung im Jahr 2004 ein rasantes Wachstum hingelegt, das auch in dem Film „The Social Network“ von 2010 maßgeblich thematisiert wird. Das Erreichen einer kritischen Masse stand schon immer im Mittelpunkt der Evolution von Facebook – nur so konnte man letztendlich alle anderen sozialen Netzwerke überholen und zu dem werden, was Facebook heute ist. Ein ehemaliger Produktmanager, der sowohl bei Facebook als auch bei Twitter in Sachen Wachstum beschäftigt war, hat nun im „Forbes Magazine“ einige spannende Details aufgedeckt, wie Facebook in seinen ersten Jahren dank Growth Hacking so schnell wachsen konnte.

Interessante Details zum Wachstum von Facebook

Auch wenn Andy Johns in dem Artikel gleich zu Beginn deutlich macht, dass er nur bestimmte Dinge verraten kann und in kritischen Detailfragen vertraglich zum Schweigen verpflichtet ist, lassen die genannten Fakten zum Growth-Hacking-Prozess bei Facebook aufhorchen.

Zum Verständnis: Unter „Growth Hacking“ versteht man das Herausfinden und dauerhafte Anwenden von Methoden, die zum Wachstum einer Website beitragen. Findet man also zum Beispiel heraus, dass eine Website immer populärer wird, weil man eine bestimmte Methode im E-Mail Marketing angewendet hat, dann kommt diese Methode immer wieder zum Einsatz, bis sie nicht mehr funktioniert.

Laut Andy Johns war das Growth-Team bei Facebook seinerzeit mit bis zu 40 Personen besetzt und so immer in der Lage, zahlreiche Tests durchzuführen, um genau die Methoden zu finden, die auch tatsächlich für mehr Wachstum sorgten – bis heute.

Besonders wichtig für das Wachstum seien die Themen Strategie und Taktik, das Recruitment und ein besonderes Verständnis für die unterschiedlichen Kulturen, die auf Facebook vertreten sind (2012 war Facebook bereits in 80 Sprachen verfügbar).

Präsenz in vielen Sprachen verbessert die Chancen

Die Tatsache, dass man Facebook in so viele Sprachen übersetze, ist laut Andy Johns auch einer der wichtigsten Gründe für das erfolgreiche Wachstum. Im Prinzip eine recht einfache Wachstumsstrategie.

Indem man Facebook zusätzlich zum Englischen auch in anderen Sprachen bereitstellte, wurde schnell klar, dass diese Entscheidung für steigende Mitgliederzahlen verantwortlich war. Gemäß dieser Erkenntnis war die Veröffentlichung von Facebook in noch mehr zusätzlichen Sprachen die logische Konsequenz. Ein klassisches Beispiel für angewandtes Growth Hacking.

Bei dieser Anwendung ging es um eine bestimmte Taktik im Rahmen der gesamten Wachstumsstrategie. Bei Personal-Themen kam eine ganz eigene Vorgehensweise zum Tragen, die ebenfalls dazu beitrug, dass Facebook so stark wachsen konnte.

Einstellung der klügsten Leute mit den besten Ideen

Für die Leitung des Growth-Teams wurde mit Chamath Palihapitiya eine Person gewählt, die sich in zahlreichen Vorgehensweisen zu diesem Thema bereits perfekt auskannte.

Er sorgte mit seinem tiefen analytischen Verständnis dafür, dass bestehende Prozesse grundsätzlich umgedacht wurden und hatte keine Probleme damit, auch große und anspruchsvolle Projekte zu verwirklichen.

Palihapitiya holte andere Spezialisten in das Team und sorgte so dafür, dass nur die besten Maßnahmen ausgewählt und angewendet wurden, um das Wachstum von Facebook weiter zu beschleunigen. Der Aufbau des Growth-Hacking-Teams war also selbst eine Form des Growth Hackings.

Genialer Coup: Mitglieder laden Nicht-Mitglieder ein

Auch strategisch sorgte das Growth Team dafür, dass alle Prozesse überdacht und optimiert wurden. Ein entscheidender Faktor dabei war, wie gut die Einladungen bestehender Mitglieder an potenzielle neue Mitglieder konvertierten. Dabei traten grundsätzliche Fragen auf: „Wie kann die Wachstumsrate der Einladungen selbst gesteigert werden?“ Zusätzlich legte man bei Facebook aber auch früher schon Wert darauf, „verlorene“ User zurückzugewinnen.

Die Frage lautete also: „Wie kann ich User, die nicht aktiv sind, neu aktivieren, sodass sie sich in Zukunft aktiv beteiligen?“ Fragen wie diese waren und sind bis heute zentrale Anhaltspunkte für die Entwicklung und Verbesserung von Wachstumsstrategien bei Facebook. Dabei wurde auch darauf geachtet, welche Kanäle zur Akquisition neuer Mitglieder am besten funktionieren. Diejenigen Kanäle, die nicht die gewünschten Ergebnisse erzielten, wurden nicht weiter verfolgt.

Ganz besonders erfolgreich war dieser Zug von Facebook: 2010 kaufte man eine Firma namens „Octazen“, die sich auf das Importieren von Kontakten aus Adressbüchern spezialisiert hatte.

Nach diesem Kauf war Facebook in der Lage, viel mehr bestehenden Mitgliedern die Möglichkeit zu bieten, ihrerseits eigene Kontakte zu Facebook einzuladen. Dieser Schritt war für Facebook enorm erfolgreich.

Garantie für Wachstum gibt es nicht

Nicht alle Maßnahmen, die man sich im Growth Team von Facebook ausdachte, funktionierten wie gewünscht. So existierte für eine gewisse Zeit ein Angebot namens „Facebook Lite“. Dabei handelte es sich nicht um einen Angriff auf Twitter oder andere soziale Netzwerke, wie Andy Johns betont. Man wollte nur eine schnellere Version von Facebook auf den Markt bringen, weil langsame Websites nicht zu einem Wachstum der User-Zahlen beitragen.

„Facebook Lite“ war entsprechend abgespeckt und schlanker. Allerdings wurde es von potenziellen und bestehenden Usern nicht angenommen und verschwand ziemlich schnell wieder. Ein Beispiel dafür, dass auch bei Facebook nicht alles funktioniert, was angepackt wird.

Grundsätzlich aber, und das zeigt der Artikel im „Forbes Magazine“ ganz deutlich, hat die Wachstumsstrategie bei Facebook insgesamt hervorragend funktioniert.

Nicht umsonst hat Facebook aktuell mehr als 1,3 Milliarden aktive User weltweit, und es ist davon auszugehen, dass diese Zahl weiter wachsen wird – das Growth Team wird dafür sorgen!

Foto: Thinkstock, iStock, dwphotos

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Björn Tantau
Von Björn Tantau September 16, 2014