Studie: Google manipuliert lokale Suchergebnisse

Jörg Mucke
Von Jörg Mucke Juli 13, 2015

Studie: Google manipuliert lokale Suchergebnisse

Der Vorwurf ist nicht neu: Der Internetkonzern Google manipuliert seine Suchergebnisse, um eigene Dienste und die von Werbepartnern besser sichtbar zu machen. Google bestreitet das vehement. Eine neue Studie liefert Indizien, dass lokale Suchergebnisse bei Google nicht neutral sind.

Die neue Studie wurde von Michael Luca, Professor an der Harvard Business School, und Tim Wu, Professor an der Columbia Law School, durchgeführt. Im Fokus: Googles Universal Search und die OneBox. Universal Search ist die Einbindung von speziellen Suchergebnissen in die regulären Ergebnisse – etwa aus Google News oder Google Maps. Diese werden in einer sogenannten OneBox hervorgehoben dargestellt.

Google argumentiert, dass diese Art der Darstellung die Suchergebnisse verbessert und vor allem nutzerfreundlicher ist. Aufsichtsratsvorsitzender Eric Schmidt sagte: „Die Suche wird besser und besser. Geben Sie ‚Wetter Berlin‘ ein, und sie erhalten nicht einfach eine Liste mit Links, sondern direkt eine Vorhersage der kommenden Tage. Das spart Zeit und Mühe.“

Doch Kritiker bemängeln, dass die bevorzugte Platzierung von Ergebnissen der Google-Dienste die Suche verzerre und besonders Wettbewerber benachteilige. Gerade spezialisierte Suchmaschinen wie zum Beispiel das Such- und Bewertungsportal Yelp seien weniger sichtbar. Dass Yelp seine Nutzerdaten für die Google-kritische Studie der beiden Professoren zur Verfügung stellte, mag da nicht weiter überraschen.

Universal Search versus Organic Search

Um zu demonstrieren, wie stark die Suchergebnisse durch Universal Search und Onebox beeinflusst werden, nutzten die Wissenschaftler ein Browser-Plug-in mit dem Namen „Focus on the User – Local“. Das zeigt die Suchergebnisse entsprechend der organischen Suche an. Mithilfe der Daten der Suchergebnisse von Yelp wurde das Klickverhalten der Nutzer bei lokalen Suchanfragen in beiden Darstellungsvarianten untersucht. Die Ergebnisse lieferten insbesondere zwei Erkenntnisse:
– Die organische Suche zeigt deutlich mehr Bewertungen als Universal Search an. Beispiel: Die Suche nach Kinderärzten in Manhattan listete bei Google Bewertungen von 31 Ärzten und bei der organischen Suche von 719 Ärzten auf.
Screenshot Google Vs FOTUL

– Die Nutzer bevorzugen die umfangreicheren Suchergebnisse. Das belegen die Klickraten, nach denen die Surfer lieber Ergebnisse der organischen Suche als in der OneBox nutzten. So klickten 32 Prozent der Nutzer einen der Links in der Universal-Search-Darstellung an. Bei den Ergebnissen der organischen Suche waren es 44 Prozent.

Schlechtere Suchergebnisse, geringere Interaktion

Die Schlussfolgerungen der Wissenschaftler: Google liefert mit Universal Search schlechtere Suchergebnisse und benachteiligt Wettbewerber. Der von Google angeführte Vorteil für den Nutzer lasse sich nicht bestätigen, da die Suchenden die neutralere Darstellung der organischen Suche bevorzugen. Ausnahme: OneBoxes mit direktem praktischem Nutzen wie Umrechnungs-Tools oder die bereits erwähnte Wettervorhersage. Google hat sich zu den Ergebnissen der Studie bislang noch nicht geäußert.

Foto: Thinkstock / istock / Minerva Studio
Screenshot: www.slideshare.net/lutherlowe

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