Google-Suche: Vorfahrt für Fakten

Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin März 4, 2015 Updated

Google-Suche: Vorfahrt für Fakten

Google lebt von der Qualität seiner Suchergebnisse – und setzt dabei verstärkt auf Fakten. Vertrauenswürdige Seiten sollen künftig im Google Ranking weiter oben stehen. Der Konzern hat dafür einen neuen Algorithmus entwickelt, der bereits ausgiebig getestet wird. Die Ergebnisse dürften den Betreibern zahlreicher populärer Webseiten missfallen – und den Verkündern obskurer Theorien erst recht.

Chemtrail-Wolken aus Nervengift, die die Menschen geistig lähmen, die finsteren Machenschaften der Bilderberger oder wahlweise Freimaurer, 9/11 – ein Inside Job, die sich Aufbau befindliche US-Diktatur namens Neue Weltordnung: Das Internet ist ein riesige Wissensmaschine. Und eine riesige Verdummungsmaschine. Pseudowahrheiten und Verschwörungstheorien werden durch das Netz an die Oberfläche gespült und von Millionen von Usern für bare Münze genommen. Behauptungen werden zu Fakten, wenn sie nur oft genug behauptet und die dazugehörigen Seiten oft genug angeklickt werden. Den Rest übernimmt Google Suggest – und befeuert durch automatische Suchvorschläge die Seriosität von Obskurem, wenn erst einmal genügend User entsprechende Anfragen ins Google-Suchfenster eingetippt haben.

Kleines Beispiel: Wer den Begriff „mondlandung“ eintippt, dem wird ab den Buchtstaben „mondl“ als zweiter Suchvorschlag „mondlandung fake“ vorgeschlagen. Wer beim Begriff „mondlandung“ bleibt, dem bietet Google als achtes Suchergebnis die Seite Mondlandung.de an – die zugegebenermaßen einen äußerst treffenden Domainnamen hat, aber auch äußerst plump Zweifel an den Mondlandungen der Amerikaner zu säen versucht – und dazu noch kaum Inhalte zu bieten hat.

Solche Seiten könnten künftig im Google-Ranking deutlich nach unten rutschen –wenn der neue Such-Algorithmus zum Einsatz kommt, den Google gerade entwickelt. Von dem Vorhaben berichten Google-Mitarbeiter in dem englischsprachigen Aufsatz „Knowledge-Based Trust: Estimating the Trustworthiness of Web Sources“ – zu Deutsch: „Wissensbasiertes Vertrauen: Einschätzung der Vertrauenswürdigkeit von Quellen im Netz“.

Popularität von Seiten verliert an Bedeutung

Die Idee dabei ist, dass bei bestimmten Suchanfragen vertrauenswürdige Seite höher eingestuft werden als weniger vertrauenswürdige, selbst wenn letztere populärer sind. Die Wertigkeit von Informationen soll stärker gewichtet, Fakten in den Suchergebnissen zuvorderst präsentiert werden. Der neue „Knowledge-Based Trust“-Algorithmus arbeitet nach dem Prinzip der Plausibilität, errechnet die Wahrscheinlichkeit, ob Informationen, Werte oder als Fakten ausgegebene Behauptungen richtig sind. Als Basis fungiert dabei die von Google bereits im vergangenen Jahr vorgestellte „Knowledge Vault“-Faktendatenbank, in der mittlerweile zwei Milliarden Webseiten bezüglich ihrer Vertrauenswürdigkeit katalogisiert sein sollen.

Die neue Suche funktioniert dann grob gesagt so: Geht eine Suchanfrage ein, ermittelt der neue Algorithmus: Um wen oder was geht es, was soll in Erfahrung gebracht werden und was ist dazu bekannt. Die Abfrage der Datenbank hat dann zum Ergebnis, welche Webseiten in den Suchergebnissen an welcher Stelle platziert werden. Rund 5,6 Millionen Webauftritte und 119 einzelne Seiten sind laut den Google-Autoren in der Datenbank hinsichtlich ihrer Vertrauenswürdigkeit eingestuft, die neue Suche soll testweise bereits 2,8 Milliarden Mal angewendet worden sein.

Gerücht-Seiten haben bei Wissensfragen schlechte Karten

Dabei seien vor allem in den USA extrem populäre Gerüchte-Seiten in den Suchergebnissen abgeschmiert. Ebenfalls deutlich schlechter hätten Foren abgeschnitten, in denen sich oft Falschbehauptungen fänden. Als Beispiel wird im Aufsatz die Seite answers.yahoo.com genannt. Dort behaupte ein User etwa, die Schauspielerin Catherine Zeta-Jones stamme aus Neuseeland – obwohl sie in Wales geboren ist. Das ist zwar noch keine Verschwörungstheorie, aber eben schlichtweg falsch.

Foto: Screenshot google.de/about

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Matthias Lotzin
Von Matthias Lotzin März 4, 2015 Updated