Windows 10 kommt – das sollten Sie wissen, bevor Sie upgraden!

Mart-Jan Knoche
Von Mart-Jan Knoche Juni 23, 2015

Windows 10 kommt – das sollten Sie wissen, bevor Sie upgraden!

Bald erscheint Windows 10 – und wir beantworten die wichtigsten Fragen: Wer wechselt kostenlos? Wie sieht das neue Startmenü aus? Was können die neuen Universal Apps? Werden tatsächlich iOS- und Android-Anwendungen unterstützt? Und wie verwandeln sich Windows-Smartphones künftig in Desktop-PCs?

Wann erscheint Windows 10?

Mittwoch, der 29. Juli 2015 ist der von Microsoft offiziell verkündete Erscheinungstermin der Desktopversion. Dann erscheint Windows 10 im Handel – in insgesamt 190 Ländern und 111 Sprachen.

Wer allerdings auf die Mobilversion für Smartphones und kompakte Tablets wartet, muss sich noch einige Monate gedulden: Das Update auf Windows 10 Mobile wird erst im Herbst ausgerollt, zusammen mit einigen neuen High-End-Geräten. Ein genaues Datum hat Microsoft noch nicht genannt.

Wer erhält Windows 10 kostenlos?

Die meisten Nutzer. Wer bereits Windows 7 oder 8.1 verwendet (ergo eine gültige Lizenz für diese Versionen besitzt), darf innerhalb der ersten zwölf Monate nach der Veröffentlichung kostenlos auf Windows 10 upgraden.

Hintergrund dieses Geschenks ist das neue Windows-as-a-Service-Prinzip, das Microsoft verfolgt: Sein Geld will der Konzern künftig mit kostenpflichtigen Diensten und Apps verdienen, die im Windows-Ökosystem stecken. Windows selbst wird kostenfrei bleiben und langfristig mit Updates versorgt – zumindest solange das Betriebssystem die jeweilige Hardware, auf der es läuft, unterstützt.

Davon profitieren Privatkonsumenten, aber auch kleinere und mittelständische Unternehmen, deren Rechner mit Einzel- oder OEM-Lizenzen ausgestattet sind und laut Microsoft ab dem 29. Juli 2015 ebenfalls kostenlos aktualisiert werden können.

Eine Reservierung samt Update-Anleitung für Frühwechsler steht auf dieser Microsoft-Seite bereit.

Wer muss für Windows 10 zahlen?

Der Gratiswechsel ist nur innerhalb einer Windows-Edition möglich – also Home oder Pro (bzw. Ultimate). Wer von Windows 7 Home oder Windows 8.1 Home auf Windows 10 Pro upgraden möchte, muss 99 US-Dollar (rund 90 Euro) hinlegen.

Außerdem gilt Microsofts Gratisangebot ausdrücklich nicht für größere Geschäftskunden mit Enterprise-Systemen: Sie müssen gemäß ihrer Software-Assurance-Volumenlizenzverträge auf das neue Betriebssystem umsatteln.

Und auch die verbliebenen Anwender von Windows Vista und Windows XP – das immerhin noch auf rund 15 Prozent aller Rechner weltweit läuft – kommen nicht kostenfrei davon. Offizielle Zahlen sind zwar noch nicht im Umlauf, doch jüngsten Gerüchten zufolge müssen XP-Nutzer mit einer Upgrade-Gebühr von 40 US-Dollar (knapp 35 Euro) rechnen.

Eine komplett neue Lizenz kostet bei Microsoft 119 Dollar (rund 110 Euro) für Windows 10 Home und 199 Dollar (rund 180 Euro) für die Pro-Edition.

Was ist neu in Windows 10?

Windows-10-Family

Das Windows-10-Ökosystem: „Eine Plattform, die möglichst viele Geräte in sich vereint.“

Viel. So viel, dass sich Microsoft entschied, den Windows-8-Nachfolger nicht Windows 9 zu nennen: „Windows 10 wird keinen stufenweisen Fortschritt gegenüber Windows 8.1 darstellen“, erklärte Microsofts Marketing-Chef Tony Prophet laut „Business Insider“ die Namensgebung. „Windows 10 wird ein grundlegender Schritt sein. Wir versuchen, eine Plattform zu erschaffen, ein Ökosystem, das so viele Geräte wie möglich in sich vereint: von kleinen Internet-of-Things-Systemen über Tablets, Smartphones, PCs bis zur Xbox.“

Der direkte Sprung von Windows 8 auf 10 soll also die umfangreiche Modernisierung des Betriebssystems hervorheben – sie lässt sich vor allem an folgenden neuen Funktionen ausmachen:

1. Das neue alte Startmenü:

Mit Windows 10 soll laut Microsoft jeder sofort und ohne längere Gewöhnungszeit zurechtkommen, vor allem Windows-7- und Windows-8.1-Nutzer. Deshalb holte der Konzern das Startmenü zurück, das unter Windows 10 altbewährte Funktionen mit dem modernen, touch-optimierten Kacheldesign kombiniert.

Und so sieht es aus:

2. Universal Apps für alle Geräte:

Alle Windows-10-Versionen sind im Kern identisch. Deshalb läuft eine für Windows 10 entwickelte App auf sämtlichen Windows-Endgeräten: auf PCs, Smartphones, Tablets und auf der Xbox.

Eine solche Universal App muss nur einmal erworben werden, um sie auf allen Geräten nutzen zu können. Microsoft erhofft sich, auf diese Weise unter Entwicklern ein größeres Interesse für seinen nur mäßig gefüllten App-Store zu wecken.

3. iOS- und Android-Apps im Windows Store:

Mit den riesigen App-Stores von Apple und Google kann Microsoft nicht mithalten. Deshalb greift der Konzern zu einem Trick: Millionen Anwendungen der Konkurrenz sollen unter Windows 10 lauffähig werden. Entwickler müssten ihre iOS- und Android-Apps dafür nur minimal anpassen, heißt es offiziell zu dem sogenannten „Project Astoria“.

Ob die Konvertierung der Programmiercodes tatsächlich so einfach funktioniert, wie es Microsoft darstellt, muss sich aber erst noch zeigen.

Dieses PR-Video beschreibt, wie eine Android-App auf Windows 10 zum Laufen gebracht werden kann:

4. Smartphones als Desktop-PCs:

Windows 10 könnte den klassischen PC für viele Nutzer uninteressant machen. Denn das Betriebssystem unterstützt die neue Microsoft-Technik Continuum: Wer sein Smartphone oder Tablet künftig mit Maus, Tastatur und Monitor verbindet, wechselt automatisch in die Desktopansicht von Windows 10. Und das Mobilgerät kann wie ein vollwertiger Windows-PC verwendet werden.

So funktioniert Continuum:

5. Der Browser Microsoft Edge:

Windows 10 enthält den neuen Webbrowser Microsoft Edge (ausgesprochen: „ätsch“), der den Internet Explorer (IE) beerben soll. Allerdings erscheint der Edge am 29. Juli zunächst in einer abgespeckten Version. Add-ons gibt es noch nicht – erst ab Herbst 2015 können Nutzer den Browser mit Zusatzprogrammen erweitern.

Der IE wird aber die kommenden Jahre weiterhin unterstützt, da viele Softwarelösungen von Unternehmen auf den Edge-Vorgänger zugeschnitten sind.

So sieht der Edge-Browser aus:

6. Die Sprachassistentin Cortana:

Apple hat Siri, unter Android läuft Google Now – und Microsoft baut seine persönliche Assistentin Cortana fest in Windows 10 ein. Sie erinnert an Termine, findet Dateien, verschickt Nachrichten, spielt Videos und Musik ab und durchforstet das Internet für den Nutzer.

Hier ein kurzer Einblick:

7. Das Action Center:

Wie von mobilen Betriebssystemen bekannt, wird es auch unter Windows 10 eine Benachrichtigungszentrale geben. Dort werden sämtliche Nachrichten zusammengefasst, etwa E-Mails, Nachrichten aus sozialen Netzwerken, Anrufe, Erinnerungen und Systemmeldungen. Außerdem können von dort bestimmte Systemeinstellungen erreicht werden.

So etwa soll das Action Center aussehen:

8. Virtuelle Desktops und Wischgesten:

Nutzer können unter Windows 10 mehrere Desktops anlegen und gleichzeitig benutzen, etwa einen fürs Privatleben und einen für die Arbeit. Mit neuen Wischgesten können Anwender mit Touchscreens durch die Multidesdesktops und geöffneten Anwendungen navigieren.

Virtual Desktops unter Windows 10:

9. Zwei-Faktor-Authentifizierung und Device Guard:

Neue Sicherheitskonzepte kommen unter Windows 10 zum Einsatz. So wird die Zwei-Faktor-Authentifizierung zum Standard (kann aber vom Nutzer wieder deaktiviert werden). Ein Passwort reicht dann nicht mehr zum Anmelden aus, ein weiterer Faktor – etwa ein biometrisches Muster oder ein Mobilgerät in der Nähe – ist notwendig. Mittelfristig sollen biometrische Verfahren wie Fingerabdruckscan, Stimmmuster- oder Gesichtserkennung die Passworteingabe sogar komplett ablösen.

Ein weiteres neues Sicherheitsfeature: der Device Guard für Unternehmen und Organisationen. Diese vom System weitgehend abgekoppelte Funktion sorgt dafür, dass ausschließlich sichere und vertrauenswürdige Anwendungen ausgeführt werden. Sie soll den Windows-PC zuverlässiger als je zuvor vor Viren, Trojanern und anderer Schadsoftware schützen. Die Technik dahinter soll so ausgeklügelt sein, dass manch einer schon von unverwundbaren PCs träumt. Die Vergangenheit lehrt allerdings, dass Microsoft seine Windows-Sicherheitsversprechen nicht einhält: In Windows enthaltene Antivirenprogramme waren stets unsicherer als Dienste von unabhängigen Anbietern. Auch beim Device Gurad heißt es also: abwarten.

10. Xbox-Streaming auf PC und Mobilgeräte:

Künftig lassen sich Xbox-Spiele auf PCs und Tablets streamen. Denn auch auf Microsofts Spielekonsole läuft demnächst Windows 10. Außerdem unterstützt das neue Betriebssystem DirectX 12, was die Grafik verbessern und gleichzeitig den Stromverbrauch von Gaming-Rechnern senken soll.

Welche Systemanforderungen stellt Windows 10?

Wer Windows 7 oder 8.1 nutzt, kann Microsoft zufolge problemlos upgraden. Die Risiken dürften überschaubar sein. Dennoch führt das Updatetool einen Kompatibilitätscheck durch, der vorab prüft, ob installierte Treiber, Firmware und Software von Drittanbietern tatsächlich unterstützt werden. Was unter Windows 10 womöglich nicht mehr funktioniert oder nicht mehr vorhanden ist, erfahren Sie hier.

An die Hardware stellt das neue Betriebssystem keine großen Ansprüche – Windows 10 läuft auch auf älteren Desktop-PCs und Notebooks.

Hier die Hardwareanforderungen für PCs, Notebooks und größere Tablets (ab 8 Zoll):

  • Prozessor: mindestens 1 Gigahertz
  • Arbeitsspeicher (RAM): mindestens 1 Gigabyte (32-Bit-Systeme) oder 2 Gigabyte (64-Bit-Systeme)
  • Speicherplatz: 16 Gigabyte (32-Bit-Systeme) oder 20 Gigabyte (64-Bit-Systeme)
  • Grafikkarte: DirectX 9 oder höher mit WDDM 1.0 Treiber
  • Bildschirmauflösung: mindestens 1024 × 600 Pixel

Für Smartphones und kompakte Tablets gelten folgende Hardwareanforderungen:

  • Arbeitsspeicher (RAM): 512 Megabyte bis 4 Gigabyte
  • Speicherplatz: mindestens 4 Gigabyte und microSD-Karte
  • Bildschirmgröße: 3 bis 7,99 Zoll
  • Bildschirmauflösung: 800 x 480 bis 2.560 x 2.048 Pixel
  • Besonderheit: Für Mobilgeräte mit einer Auflösung von 800 x 480 Pixeln sind Hardware-Tasten erforderlich.

Bilder: Microsoft Corporation.

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